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Für eine Handlvoll Lira ist vorbei Betrachtungen zu den Marinapreisen
3.2.2011
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Die Reaktionen auf den Insider-Preisvergleich 2011 bei türkischen Marinas waren wie zu erwarten heftig: Von "Mannomann, die türkischen Marinas haben aber kräftig zugelangt!" über "Ich dachte immer, die Türkei sei ein preiswertes Urlaubsland!" bis "Wenn das so ist, dann müssen wir uns woanders nach einem Liegeplatz umsehen!" Klar ist, dass die Marinas an der türkischen Küste zu den besten im ganzen Mittelmeer gehören und bisher auch noch nicht voll ausgelastet waren. Jetzt aber, wo auch die Einheimischen Yachting als Sport- und Freizeitbeschäftigung entdeckt haben, werden die Liegeplätze knapp. Waren es vor 10 Jahren noch 80% Ausländer, die ihre Boote in den Marinas liegen hatten, sind es heute in manchen Marinas bereits mehr einheimische Yachten als ausländische. Auffallend dabei ist, dass ausländische Charterercrews mit 6 Mann einen Liegeplatzpreis von umgelegt EUR 10 pro Nacht und Person leichter wegstecken als Langzeitsegler, die mehr aufs Budget achten müssen. Die einen geben pro Abend mit vollem Fischprogramm und zig Flaschen Wein schnell mal EUR 50 pro Person aus, weil sie es bei nur einer Segelwoche im Jahr halt richtig krachen lassen wollen. Die anderen müssen mit ihrem Budget haushalten und meist mehrere Wochen oder sogar Monate auskommen. Für sie sind die höheren Liegepreise schmerzhafter als für die Wochencharterer. Langzeitsegler meiden deshalb Marinas wo immer es geht. Sie machen lieber in den kleinen Gemeindehäfen fest, wo die Liegegebühren noch niedrig sind und wo es die gleichen Einkaufsmöglichkeiten gibt wie in den großen Hafenorten. Dort entgehen sie auch den in vielen Marinas mehr oder weniger lauten Diskos, die die Nacht zum Tag machen. Dies ist die eine Seite der Betrachtung. Die andere: Wie in anderen Ländern auch, werden an der türkischen Küste Marinas nach ertragswirtschaftlichen Grundsätzen gebaut und betrieben: Private Investoren, meist große Holdings, pachten vom Staat ein geeignetes Meeeresgrundstück, erbauen auf diesem die komplette Infrastruktur für einen funktionierenden Marinabetrieb, oft mit 12 bis 15 Meter tief im Meeresboden verankerten Außenmolen, sowie Stegen, Gebäuden, Wasser-, Strom- und Entsorgungssystemen, Travellift, Hallen und Werkstätten, wohlwissend, dass das komplette Unternehmen mit all seinen technischen Raffinessen und Ausstattungen nach soundsoviel Jahren an den Staat zurück gegeben werden muss (der es dann neu ausschreibt und wieder verpachtet). Die von der Setur-Gruppe 2010 übernommene neu eröffnete Marina in Yalova am Marmarameer zum Beispiel, geht nach 24 Jahren, also 2034, komplett mit allem Drum und Dran an den Staat zurück. Bis dahin muss das Mangement nicht nur das investierte Kapital erwirtschaftet haben, sondern es müssen auch Gewinne erzielt worden sein, die zum Teil in neue Zukunftsprojekte investiert und zum anderen Teil als Dividende an die Aktionäre der Holdings Jahr für Jahr ausgezahlt werden müssen. ![]() Nun könnte man gegen dieses "kapitalistische Ausbeuterprinzip" und die dadurch steigenden Preise wettern. Aber stellen wir uns vor, es gäbe die Holdings und ihre Kapitalanleger nicht, die im boomenden Yachttourismus eine Zukunftschance für ihr Kapital sehen. Dann gäbe es keine Marinas, sondern nur überfüllte und höchst unsichere öffentliche Häfen wie in Griechenland. Dann könnten wir Segler unsere Boote nicht sicher und wohlbehütet im fremden Land zurück lassen und sorgenfrei nach Hause fliegen, darauf vertrauend, dass die Marina - sicher gebaut und professionell gemanagt - sich Tag und Nacht um unser Boot kümmert. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Bemerkungen zu den Marinapreisen, die in den türkischen Marinas - verglichen mit den Marinas im westlichen Mittelmeer - immer noch moderat sind, ziemlich naiv. Aussagen wie "Die Türken lassen sich ihre Liegeplätze vergolden" sind bei ganzheitlicher Betrachtung ungetrübt von wirtschaftlichen Zusammenhängen. Dies ist kein Plädoyer für die Preisentwicklung in türkischen Marinas. Sondern eine sachliche Betrachtung darüber wie die Marktwirtschaft bei uns - und eben auch in der Türkei - funktioniert. Im übrigen muss man ja nicht von Marina zu Marina segeln. Es gibt so viele schöne und einzigartige Buchten an dieser Küste, in denen man ankern kann. An der deutschen Nord- und Ostseeküste ist dies nicht möglich, auch nicht an der Coté Azur. Meckern wir also nicht so viel über die Marianapreise, lassen wir den Anker fallen wo es schön und kostenlos ist.
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