Der Insider

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UNO warnt vor Flüchtlingskrise in Griechenland
14.10.2010, WDR

Die Vereinten Nationen beobachten mit Sorge die Situation entlang der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland. Das Flüchtlingshilfswerk der UNO warnt vor einer humanitären Krise, weil immer mehr Asylsuchende über die Grenze nach Griechenland kommen. Die Aufnahmelager seien inzwischen völlig überfüllt. In diesem Jahr wurden bereits 23.000 Menschen in den Lagern aufgenommen - im gleichen Zeitraum des vorigen Jahres waren es knapp 6.000. Hintergrund ist offenbar die verschärfte Kontrolle von Schiffen in der Ägäis, so dass jetzt die Hauptroute der Asylsuchenden auf dem Landweg durch die Türkei nach Griechenland führt.


Illegale Einwanderer im Dodekanes
25.8.08 - berichtet von Elke, SY AQUARIUS

Beim Einlaufen in den Hafen der kleinen Dodekanes-Insel Gaidaros waren wir viel zu beschäftigt, um uns genau umzusehen. Endlich lag unser Boot fest, wir saßen mit dem obligatorischen Anlegerschluck im Cockpit und sahen uns um. Auf den ersten Blick hatte sich nicht viel verändert, obwohl vier Jahre seit unserem letzten Besuch vergangen waren. Ein paar wenige neue Häuser, ein bisschen Strandbetrieb - mehr nicht, die verschlafene Atmosphäre war geblieben. Was uns jedoch dann auffiel war eine größere Gruppe von Menschen, die uns gegenüber auf dem Fährkai herumsaß oder –lag, Männer, ausschließlich Afrikaner und Araber. Das hätte ein Bautrupp sein können, der auf die Abendfähre wartete... oder? Waren das vielleicht doch illegale Einwanderer, von denen man hier im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Griechenland so viel hört? Sie beachteten uns kaum, als wir an ihnen vorbei ins Restaurant gingen.

Dort kamen wir mit einigen einheimischen Gästen ins Gespräch. Was wir dabei erfuhren, verschlug uns schier die Sprache. Fast jeden Tag würden illegale Einwanderer mit Booten ankommen, die der Inselpolizist aus den entlegensten Buchten der Insel einsammeln und zum Fährhafen bringen müsste. Schon um die 1.000 Menschen seien es allein in diesem Sommer schon gewesen. Ein riesiges Problem für die kleine Insel, stöhnte einer unserer Gesprächspartner. Die Menschen würden mit der Abendfähre nach Samos gebracht, wo sie in einem Auffanglager auf ihren Weitertransport nach Athen warten müssten. Dort erfolge dann das übliche Procedere mit Asylantrag und dessen Annahme oder Ablehnung und ggf. Abschiebung. Wie alle diese Leute auf die kleine Insel kämen wusste niemand zu erklären, zumal es auf Gaidaros schon seit Jahren eine kleine Militärstation und eine Anlegestelle für das Boot der Küstenwache gibt.

Abends konnten wir vom Cockpit aus beobachten wie kurz vor der Ankunft der Fähre zwei Griechen die rund 40 Menschen zusammentrieben - sie mussten auf dem Boden sitzend ausharren, bis alle Autos und Menschen von der Fähre herunter und die Abreisenden an Bord waren. Dann wurden sie über die Laderampe getrieben. Freundlich war der Umgang mit diesen Menschen nicht, auch nicht höflich. Auf uns wirkte es wie wenn eine Herde Vieh zusammengetrieben würde. Der Gegensatz zu den längsseits liegenden Yachten hätte nicht größer sein können. Wir Segler schämten uns unseres zur Schau gestellten Wohlstands. Wir sprachen auch mit anderen Crews, die genauso erschüttert waren wie wir. Der Kai war nun wieder so leer, aber die Stimmung war niedergedrückt und deprimiert.

Früh am nächsten Morgen dann der gleiche Anblick: diesmal wartete eine noch größere Gruppe von über 50 Menschen auf der Pier; auch einige Frauen waren dabei, und ein Kleinkind auf dem Arm seiner Mutter. Wie sie in der Nacht gekommen waren hatten wir nicht mitbekommen. Die Crew einer anderen Yacht erzählte uns, dass sie gegen 3.30 durch ein kleines, unbeleuchtetes Boot wach geworden waren, das leise, aber doch hörbar in den kleinen Hafen eingelaufen sei. Es hätte nicht angelegt, sondern die Leute mussten die letzten Meter zum Land schwimmen, das Boot sei dann sofort wieder verschwunden. Die nassen Kleider der Menschen hingen über dem Geländer bei der Kaimauer. Den ganzen Tag verbrachten sie nun, teils in der prallen Sonne sitzend, teils liegend im spärlichen Schatten. Am späten Nachmittag kam das Boot der Küstenwache und legte am Platz der Fähre an. Wieder wurden die Menschen zusammengetrieben und auf das Boot gebracht. An Bord gab es keinen freien Platz mehr an Deck: Vorschiff, beide Seitendecks und das Achterdeck waren voll besetzt. Das Küstenwachboot sah nun selbst wie ein Boatpeople-Boot aus. Es legte ab und verschwand um die Einfahrtshuk.

Das alles so hautnah an einem so verschlafenen Platz mitzuerleben war ein Schock für uns. Diese Menschen waren wahrscheinlich nicht die allerärmsten in ihren Ursprungsländern gewesen, immerhin mussten sie die Schlepper bezahlen. Möglicherweise hatten sie nicht unbedingt aus Not, sondern als Wirtschaftsflüchtlinge ihr Land verlassen - sie waren alle sauber gekleidet und verhielten sich ruhig und gleichmütig.

Sicher, es ist unmöglich, sie alle in Europa aufzunehmen und ihnen Arbeit zu geben. Für den Inselpolizisten ist es ein undankbarer Job, sie aus den Buchten der Insel zu holen und dafür zu sorgen, dass sie abtransportiert werden. Eine winzige Insel wie diese, die im Sommer auf florierenden Tourismus angewiesen ist, hat mit den ungeladenen Gästen ein Riesenproblem. Trotz alledem sind es Menschen, die mit einem Mindestmaß an Respekt und Höflichkeit behandelt werden sollten.

Wie all dies überhaupt möglich ist, woher die Schlepper kommen, die mit ihren überfrachteten Booten sicher ein Heidengeld verdienen, wieso sie sogar mitten in einen Hafen einlaufen und die Leute abladen können und warum dies niemand verhindert, wissen wir nicht.

Vielleicht ist es ganz gut, dass Segler und Urlauber einmal mit dieser Situation konfrontiert werden. So wird uns nicht nur bewusst, wie gut wir es haben, wir sind vielleicht sogar bereit, uns für Organisationen zu engagieren oder wenigstens zu spenden, die die Lebensumstände der Menschen in ihren Ursprungsländern verbessern sollen. Und geben wir es ruhig zu, nicht nur aus Mitleid, sondern auch in unserem eigenen Interesse.

Elke, SY AQUARIUS

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