Der Insider

Ohne Original geht gar nix
16.04.2008



Ganz neue Regeln in Griechenland: Wer nicht die Originale des Flaggenzertifikats und des Versicherungsvertrages vorlegen kann wird festgehalten. Hier der Kommentar eines leidgeprüften Charterers nach seiner Odyssee in Kos:

"Wir hatten in der D-Marina in Turgutreis offiziell ausklariert und segelten nach Kalymnos, um dort einzuklarieren. Aber das ging nicht, denn der griechische Port of Entry Kalymnos öffnet erst am 1. Mai seine Pforten. Also zurück nach Kos und dort einklariert, damit wir endlich in griechischen Gewässern herumskippern konnen.

Das wollten wir. Aber nicht die griechische Bürokratie!

Das Original des Flaggenzertifikates fehlte in unserer von der Charteragentur mitgegebenen Dokumentenmappe. Eine Fotokopie war da zwar fein säuberlich abgeheftet - aber eben nicht das Original. Für die griechischen Beamten in ihren Stuben Alarmstufe ROT. Das Boot könnte je geklaut sein! Noch dazu aus der Türkei kommend: das war in jedem Fall suspekt!

Unsere Dokumentenmappe wurde beschlagnahmt. Freundliches Auftreten und noch freundlicherer Versuch über Verhandlung eine Einigung zu erzielen nutzten nichts. Von anderen Skippern im Hafen erfuhren wir, dass letzte Woche eine französische Yacht mit zwei Thurgauern und einem Züricher an Bord, 7 (in Worten sieben) Tage lang festgehalten wurde, bis das Original endlich herbeigeschafft war.

Da wir nicht das gleiche Schicksal erleiden wollten, wurden wir aktiv. Schalteten über die Charterbasis in Bodrum einen türkischen Übersetzer, einen türkischen Notar und einen sympathischen griechischen Vermittler ein. Nach sechs Stunden exkl. Siesta hielten wir ein Fax in den Händen, auf dem bestätigt war, dass das Flaggenzertifikat rechtens sei und dass das Original noch bei den Charterlizenzgenehmigungsbehörden in Ankara liege. Irgendwie - wir wissen wir auch nicht genau wie, vielleicht weil Allah geholfen hat - bekamen wir endlich unsere Pässe zurück und einen Stempel auf das
"Private Pleasure Yacht Maritime Traffic Document", was ja wörtlich übersetzt Vergnügungsverkehrspapier heißt.

Fazit: Brüssel kann froh sein - die EU-Außengrenze funktioniert bestens. Allerdings auf griechische Art."

Kos, den 16. April 2008
Max

Behörden



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