CockpitTalk
Mitgebracht: Ein fliegender Teppich...?
von Udo Hinnerkopf

TeppichhändlerDas Beste, was man in einem türkischen Hafenort tun kann, wenn man erschöpft ist von der Tageshitze und genug hat von Meer und Museen: man geht zu einem Teppichhändler, trinkt ein Glas Tee und lässt sich seine Teppiche zeigen. Sind Geld und Visakarte an Bord geblieben, hat man noch eine Nacht zum Überschlafen.

Hali das türkische Wort für Teppich. Das Knüpfen ist eine alte orientalische Kunst. Nomaden sollen bei sesshaften Völkern Mosaikböden kennengelernt und sich für sie begeistert haben. Sie übernahmen die Idee und passten sie ihrem Lebensstil an (leicht zu transportieren). Schafe, Ziegen und Kamele lieferten das "Mosaik-Material", Wildfrüchte die Grundstoffe für die Farben.

Ursprünglich erkannte man an Knoten, Farben und Muster, woher ein Teppich kam. Durch besondere Zeichen und Merksprüche wurde das Aussehen eines Teppichs durch Generationen fast unverändert überliefert. Zumindest bei den Yörüken, den anatolischen Nomaden, lag die Herstellung bestimmter Teppiche ganz in den Händen einer Familie: vom Aufziehen des Schafes über das Scheren und Spinnen, das Gewinnen der Farbe aus Blättern und Wurzeln, das Färben der Wolle bis hin zum Weben beziehungsweise Knüpfen und Beschneiden der Knoten.

Heute hat jede Region eigene Muster und Farbkombinationen. Die Teppiche werden nach dem Herstellungsgebiet (oder Ort) bezeichnet (Hereke, Sivas, Bergama). Schönheit und Haltbarkeit ergeben sich aus Material, Echtheit der Farben, Dichte der Knoten sowie Farb- und Musterkombinationen.

Mit verschiedenen Tricks werden Teppiche manchmal künstlich in Antiquitäten verwandelt. Unregelmäßige Verfärbungen und Abnutzung kann ein Indiz für Echtheit sein, gleichmäßig »gealterte« Teppiche dagegen sind vielleicht auch chemisch behandelt oder unter fahrende Autos gelegt worden. Ab und zu berichten türkische Zeitungen von Werkstätten, die sich auf diese Art der Wertsteigerung spezialisiert haben. Die berühmten alten Teppiche, die Hereke, Usak oder Konyall dürfen ohnehin nicht ausgeführt werden, sie sind nationales Kulturgut.

Für Unkundige ist Teppichkauf ein weites Feld mit vielen Fallstricken, in dem man sich leicht verknoten kann. Wer sich ein handgeknüpftes Stück aus der Türkei mitbringen will, sollte sich vorher kundig machen.

Merke: Was Teppichhändler erzählen muss nicht immer stimmen. Und: Fliegende Teppiche gibt es nur im Märchen.


Bonfilet | Lothars Abenteuer | Der Fusstritt | Das Ja-Wort | Der Eismann | Ferien Ferien | Türkischer Honig |

Deutsche im Süden | Der Bordkobold | Für Deckelgucker | Neue Segel | Landleine | Pantryrezepte |

Bitte nicht so hektisch! | Skipper sein dagegen sehr | Kunibert, der Bayer | Stalkertörn | Philoseephie

Segeln mit Hildegard | Tischdeckenanvigation | Fiegender Teppich | Robbe liebt Dingi | Besuch bei Beyza

Freundschaft mit Robbe | Was alte Postkarten erzählen | Koch doch mal Türkisch |

Geschichten von Elke: Badem | Winter II | Winter III | Winter IV | Dicke Pötte | Enterkommando | Hardcore im Mittelmeer