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©  Der Türkei REVIER-INSIDER - ONEWAY-SEGELN: YACHT Korrespondent Udo Hinnerkopf 48440 Bodrum/Türkei, Mail: klick
Nachdruck und Weiterverbreitung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung.





























Der Türkei-INSIDER ist ein umfassender Info-Dienst zu allen Themen rund ums Segeln an der türkischen Küste. Ob Sie eine Törnroute planen, eine Charteryacht buchen, einen Oneway-Törn planen, auf einer Gulet anheuern oder sich eine Tirhandil bauen lassen wollen, ob Ihre Yacht in einer Marina oder an Land überwintern soll oder ob Sie einen Törn durch die schönsten Buchten planen - zu allen Fragen finden Sie im Türkei-INSIDER die richtige Antwort.
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Die Türkei - ein Revier, das sich rasant verändert hat. Udo Hinnerkopf führt uns zu Zielen zwischen Bodrum und Marmaris, die noch an gestern erinnern. Segelreviere befinden sich im steten Wandel, da macht die türkische Küste keine Ausnahme. Seit ich zum ersten Mal, vor 20 Jahren, im Golf von Gökova den Anker fallen ließ, hat sich dieses Segelparadies so sehr verändert, daß es ein Freund, der damals mit mir hier kreuzte und erst nach langer, langer Zeit wiederkam, auf den ersten Blick nicht mehr erkannte.

Um ihm zu zeigen, daß es in den Buchten und Golfen noch so ist, wie es damals war, lud ich ihn zu einem Törn in meinem Hausrevier zwischen dem Mekka der Guletfahrer - Bodrum - und dem Mekka der Segler - Marmaris - ein. Viele der orientalischen Städtchen am Kurs und manche der kleinen Fischer- und Olivendörfer gefielen dem Freund nicht mehr unbedingt. Zu sehr hatte der Tourismus Einzug gehalten. Aber das, was dazwischen liegt, die Küste mit den tiefen Golfen und Buchten, den hohen Bergen, den versteckten Schlupflöchern mit den Amberbäumen bis zum Wasser, den ausgebleichten, kahlen, abrupten Felsabstürzen, den Bauern-Idyllen an Land und den Fischer-Idyllen in den Buchten, das fand seinen Gefallen. Ich hatte nicht zuviel versprochen: Natur pur, allenfalls ein wackeliger Holzsteg, der auf stabilere Pfeiler gesetzt war. Das Getöse der Zikaden, die Schreie der Esel unter den Johannisbrotbäumen und das Summen der Bienen in den Pinien erwärmten ihn wie das Licht der Sonne.

Für die knapp 150 Seemeilen lange Strecke nahmen wir uns vor, möglichst jede Bucht anzusteuern, damit die, die uns folgen, die Wahl haben. Denn bei einem Zwei-Wochen-Törn ist es unmöglich, alle schönen Plätze zu besuchen. Erstes Tagesziel auf dem Törn mit dem kritischen Freund war die Orakadasi-Nordbucht. Sie ist grün und unbewohnt wie fast alle Buchten im Gökova- Golf und gegen alle Winde geschützt, sogar gegen starken Nordwind, vorausgesetzt, man hat genügend Kette gesteckt.

Eine Ankernacht verbrachten wir in der Alakisla-Bucht. Im Nordwesten, da, wo der Kiesstrand in eine felsige "Wand" mit byzantinischen Häuserruinen übergeht, liegt ein schmaler Einschnitt, der gerade einer Yacht Platz bietet. Bei Süd- beziehungsweise Südost ist es hier ungemütlich, und man muß die Bucht verlassen.

Fröhlich und ausgelassen geht es in "Kaptan Ibrahims Restaurant" in Çökertme zu - der Oberfilou des Golfes tanzte seinen berühmten Pistolentanz und lud den Freund zur Wasserpfeife ein. Das war ihm doch zuviel Klamauk, aber Ibrahims Brot-zum-Boot-Service versöhnte ihn.

Wem Ibrahims Platz zu turbulent ist, der kehrt bei "Mary Rose" ein, 200 Meter östlich. Beim Ankern die gesamte Kette stecken. Die Bucht ist tief. Natürlich wollte der Freund auch die Kleopatra-Insel im hinteren Teil des Golfes wiedersehen. Er erinnerte sich gut an die Einsamkeit, die diesen Platz umgab. Heute fahren Ausflugsboote vom nahen Ufer zur Insel. Auch gilt Ankerverbot für die Nacht. Schade, sagte er nur. Ich erinnerte ihn an unsere Regeln von damals, die heute noch gelten: Keinen Sand mitnehmen, auch keine antiken Mosaiksteine, Scherben, Amphorenteile oder ähnliches. Nirgendwo an der Küste! Die Gefängnisse sind keine Hotels.

Ein Muß auf jeder Golfroute ist Karaca Sögüt. Wegen der hohen Bäume, die bis zum Wasser herunter stehen, und dem Natur-pur-Ambiente. Wir legten rechts am neuen Holzsteg mit den Symbolen für Wasser, Telefon, Taxi und Dusche an und kamen zu "Yasars Yeri", einem Restaurant mit einfachsten Duschen und Toiletten, aber dem besten Wasser im Golf. Viel, viel Kette geben - die Bucht ist tief. Der Wald duftet, Bienen summen, ein paar Schritte nur, und man ist bei Pan und Silene.

Ich wollte dem Freund etwas Besonderes zeigen und brachte ihn zur Einfahrt der tiefen Bucht Degirmen Bükü, ein paar Meilen westlich von Sögüt. Hier liegt östlich der Zeytin Adalari eine Felsnase, die von Osten in die Bucht hinausragt. Dieser Platz ist einer meiner Geheimtips, die ihn verzaubert haben. Man benötigt etwas Glück, denn die kleine Ausbuchtung kann nur eine Yacht nutzen. Auch hier gilt: viel Kette stecken und die Leinen über Kreuz zu den Bäumen am Ufer ausbringen. So vertäut hat man einen tollen Blick auf vorbeiziehende Yachten und Gulets.

Wer uns nachfährt - und nicht so astreines Wetter hat -, segelt besser tiefer in den Degirmen Bükü hinein, bis zur kleinen Untiefe mit einer darauf sitzenden Meerjungfrau, die der türkische Weltumsegler Sadun Boro hier aufstellte. Hinter der Untiefe fanden wir gen Osten einen baumumstandenen Einschnitt. Auf der linken Seite kann man mit Buganker und Heckleinen an den Bäumen festmachen (viel Kette, genügend Abstand vom Ufer!). Wer im einfachen Restaurant frisches Lamm- oder Ziegenfleisch essen möchte, legt gegenüber an den Stegen an.

Auf dem Kurs nach West aus dem Golf heraus ist Tuzla Koyu, vor dem Kap Koyun Burun, am Ostufer der Leuchtfeuerhalbinsel ein hübscher Platz. Weil das Wetter ruhig war, ankerten wir in dem in keinem Handbuch verzeichneten Einschnitt etwas östlich der Bucht, zu erkennen an ockergelben Felsabbrüchen (Geheimtip Nummer 2). Auch hier erlebte der Freund noch echte Weltabgeschiedenheit.

Auch die Yedi Adalari, die sieben Inseln, fand er so unberührt vor wie früher - nur von Fischern mit ihren kleinen Booten genutzt. Die Einfahrt ist nicht durch alle Passagen möglich. Mein liebster Platz ist der südlichste, vor der flachen Huk, gleich rechts von der Südeinfahrt.

Wir segelten bei knackigem Westwind in die Bördübet Limani und hatten die Wahl zwischen Büyük Çati oder der östlicheren Küçük Çati. Aus reiner Nostalgie wollte der Freund beide Ankerplätze sehen. So verbrachten wir die Nacht in Küçük Çati ("diese Stille!") und den Vormittag in Büyük Çati, wo uns ein paar Ausflugsboote darauf aufmerksam machten, daß wir nicht allein auf der Welt sind.

Auf dem Kurs nach Knidos gibt es dann keine Bucht mehr. Allenfalls kann man im kleinen und wenig attraktiven Fährhafen Körmen für eine Nacht festmachen und im Restaurant guten Fisch essen. "Ich bin gespannt auf Knidos", meinte der Freund. Das hohe Kap mit dem Leuchtturm von Knidos markiert das Südwestende des Golfes. Weil wir noch Vorräte hatten, machten wir nicht am neuen Steg des Restaurants fest, sondern gleich links hinter der alten Mole mit weit ausgelegter Kette zum flachen Isthmus und langer Landleine zu den aufgestapelten Steinen des alten Wellenbrechers hin. Der schlechte Ankergrund hält hier noch am besten. Nachts faucht oft ein scharfer Wind von den hohen Bergen über das antike Theater herunter und bringt die Flotte der Ankerlieger durcheinander. Im Licht des anbrechenden Abends besichtigten wir die Ruinenreste der alten Stadt mit kleinem Theater, Zisternen und dem Platz, wo angeblich der Rundtempel der Aphrodite stand. Sie war die berühmteste Dame der Antike und lockte Reisende und Touristen zur Freude der Purpurstoffhändler, Olivenölverkäufer und Hafendirnen in die Handelsstadt.

Trotz der Gulets ein eindrucksvoller Platz, lobte der Freund, als wir am nächsten Morgen ankerauf gingen. Von Knidos segelten wir an der Südküste der Halbinsel fast genau nach Osten, bis sich die Bucht etwas nach Norden öffnet und wir uns entscheiden mußten, ob wir die Echobucht, den Palamut-Hafen oder Ovabükü anlaufen. Wer Vorräte auffrischen muß, segelt besser nach Datça weiter. Die Gemeinde versucht, eine Marina aufzuziehen. Bisher ist aber nicht mehr als ein Anleger mit brauchbaren Wassertiefen, guten Restaurants und Supermärkten entstanden. Zudem ist der Platz nach Südosten offen! Bei aufkommendem Starkwind aus dieser Richtung sofort auslaufen!

Östlich von Datça öffnet sich der Burgengolf (Hisarönü Körfezi), ein Naturschutzpark mit einsamen Buchten und Holzsteganlegern. Der weithin sichtbare Komplex des Robinson-Clubs stach dem Freund sofort ins Auge. Kurz davor schneidet die Bencik-Bucht tief ins Land ein und läßt einen Landrücken von nur knapp 1000 Metern zum nördlich gelegenen Gökova-Golf. Hier wollten die Knider schon einen Kanal bauen, um ihre Halbinsel besser gegen die anrückenden Perser verteidigen zu können. Leider wurde nichts daraus: So muß man noch heute um das oft sturmumtoste Kap von Knidos mühsam nach Nord oder in den Gökova-Golf kreuzen.

Einen Ankerplatz, der nicht im Handbuch steht, zeigte ich dem Freund östlich des Robinson-Clubs in einem offenen Einschnitt unter den dunkelroten, rundlich ausgewaschenen Tuffsteinfelsen (Geheimtip Nummer 3). Hier gibt es so viel Platz, daß man mit genügend Abstand zum Nachbarn mit Landleine festmachen kann. Wäre das Wasser nicht, sagte er mit stiller Begeisterung, könnte man glauben, in den Rocky Mountains zu sein.

Die Buchten des Hisarönü-Golfes gefielen ihm alle. Mein Lieblingsplatz ist der Holzanleger in Orhaniye (Keçibükü). Hier bekamen wir frisches Wasser und einen guten türkischen Vorspeisenteller. Über Selimiye und Dirsek Bükü segelten wir aus dem Golf heraus und hielten ein Stück auf die griechische Insel Simi zu, bevor wir nach Süden wendeten und in den Sömbeki Körfezi einliefen. Im rundum geschützten Hafen von Bozburun, in der Seekarte Yesilova, hatte sich in den letzten Jahren kaum etwas verändert. September 1997 gab es weder Murings noch ausreichend fließendes Wasser auf der Pier, dafür aber guten Schutz. Die öffentliche Dusche versprach "hot shower", floß aber nur kalt. Dafür war der Liegepreis mit 13 Mark für eine 14-Meter-Yacht auch nicht übermäßig hoch. Und von Disco-Musik wurde der Ort auch nicht traktiert.

Vor "Sabrinas Haus", etwas außerhalb, verbrachten wir einen wunderschönen Abend mit hervorragendem Essen in paradiesischer Umgebung. Unser nächstes Ziel lag in Sichtweite von Rhodos auf der Südseite der Loryma-Halbinsel; es heißt Bozukkale, auf deutsch "kaputte Burg". Die Einfahrt ist erst zu erkennen, wenn man kurz davor steht: Eine zyklopische Steinmauer dient als Orientierungshilfe. In der Bucht gibt es Murings und die urigste (aber nicht billigste) "Spelunke" der Gegend. Fischer Ali oder einer seiner wilden Gesellen holt die Crew mit dem Holzkahn zum Abendessen an Land. Unbedingt wagen: eine Atmosphäre wie bei den Raubfischern von Hellas. Es gibt nur tagesfrischen Fisch, ein paar Vorspeisen, selbstgebackenes Holzofenbrot und den Versuch der Fischerfrauen, bei Geigenmusik und Trommelgewumm ein paar Extralira mit Tüchern, Bändern, Mandeln, Thymianhonig und Basilikum zu verdienen.

Mit etwas schwerem Kopf verließen wir Ali und setzten den Kurs auf die Mitte der Rhodos-Straße ab. Dort weht der Wind gleichmäßiger und nicht so böig wie dicht unter Land von den Bergen herunter. Kriek Ince, das Tagesziel, liegt etwa fünf Meilen westlich vor Kap Kadirga, der Einfahrt in die Bay von Marmaris.

Wir machten die Landleine an der nördlichen Felswand fest und steckten die gesamte Kette. Der Grund ist extrem tief, und nachts faucht oft ein harter Wind von der Nordwand herunter. Am nächsten Morgen besuchte der Freund die byzantinische Kirchenruine und kam mit zwei Händen voll frischer Kräuter zurück.

Für alle, die von hier aus die von grünen Bergen umsäumte Bucht von Marmaris ansteuern und - wie wir - noch einen Tag Zeit haben, ein weiterer Geheimtip: Zwei Meilen hinter dem Einfahrtskap Kadirga öffnet sich links die weite Bucht Kumlu Bükü mit zwei Einschnitten wiederum gleich links. Wo die hohen Pinien bis ans Wasser reichen (flaches Natursteinhaus auf der rechten Huk), ist es am schönsten. Unbedingt eine Landleine zur nächsten Pinie ausbringen, damit sich das Boot bei drehendem Wind nicht quer zum Schwell legt, der am späten Nachmittag manchmal hereinsteht. Obwohl der Platz nach Norden offen ist, liegt man hier ruhiger als am Yachtanleger des Kumlu Bükü Yacht-Clubs, wo versteckt zwischen Bäumen das Club-Restaurant zu anspruchsvoller türkischer Küche einlädt.

Wer es lieber noch ruhiger hat, legt in der kleinen Pupa-Marina an, einer neu eröffneten Anlage in der grünen Palmen- und Eukalyptus-Umgebung der Ada-Agzi-Bucht ganz rechts im östlichen Teil der Marmaris Bay kurz vor dem Damm links hinter der Huk (bisher Stardust/Poseidon-Stützpunkt). Die Preise sind um zehn Prozent niedriger als in der Netsel-Marina. Dort allerdings, in der perfektesten Marina des östlichen Mittelmeeres, finden wir alles, was des Seglers Herz begehrt: saubere Duschen mit warmem Wasser bei Tag und Nacht, die gepflegtesten Toiletten weit und breit, Läden und Boutiquen, gute Ausrüster und Reparatur-Dienste.

Mein kritischer Freund hat den Törn genossen. Der größte Unterschied zu früher, stellte er fest, sei die größere Zahl der Yachten und Gulets, die man in den Buchten von Gökova und Hisarönü treffe.