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Reviere

Zweiter Törn: Antalya-Ölüdeniz

Kekova
Buchten-Paradies bei der Insel Kekova,
gelegen zwischen Kas und Finike.


(c) John Bassiner
Das Revier
Wer oben Ski fahren und unten baden will, segelt im Golf von Antalya richtig, zumindest bis Mai und ab September. Eine Autostunde von Antalya beziehungsweise Kemer ist man im Hochgebirge mit einsamen Almen, Skipisten, Skiverleih und Schlepplift. Der einzige Ort, den Alexander der Große nicht einnehmen konnte, das Felsnest Termessos, liegt ebenfalls in greifbarer Nähe. Wäre nicht links das offene Mittelmeer, hätte der Segler das Gefühl, auf einem Alpensee zu schippern - so gipfelreich ist das Panorama. Das geht so bis zum südöstlichsten Eckpunkt des Törns, dem Kap Taslik Burun. Hier wurde das älteste Schiffswrack der Welt gehoben, dessen Einzelteile heute im Kastell von Bodrum stehen.

Westlich des Kaps schneidet der Golf von Finike ins Land - die hohen Berge bleiben fürs erste im Hintergrund. Attraktion dieses Törnabschnitts ist das Buchtenlabyrinth von Kekova, wo sich Segler tagelang herumtreiben können, ohne die gleiche Ankerstelle zweimal anzusteuern. Kastellorizon, die südöstlichste Insel Griechenlands, unmittelbar der türkischen Küste gegenüber von Kas vorgelagert, ist eine beliebte Anlaufstation für Segler, die ohne das umständliche Prozedere des Ein- und Ausklarierens (die Behörden drücken beiden Augen zu) einen Retsina-Abend in einer Bouzouki-Taverne am Hafen verbringen wollen. Nirgendwo kann man so nahe beieinander die Gegensätze zwischen Glockenläuten und Muezzin-Singsang erleben wie in dieser Südwestecke der Ägäis. Vom Hafen Megisti sind es nur wenige Meilen bis zum quirligen Hafenstädtchen Kas, das vor hohen Bergen Schutz, Versorgung und türkisches Leben pur offeriert.
Nur knappe 15 Seemeilen nordwestlich hat Kalkan einen im Sommer sicheren Hafen vorzuweisen. Danach wird es knapp an Ankerstopps: Dem langen Strand mit dem sandverwehten Theater der antiken Stadt Patara folgen sieben Kaps, die alle in einem Rutsch genommen werden wollen - Schutz bietet keines. Nach dem "schlechten" Kap (Kötü Burun) verläuft die Küste weiter rauh und unwegsam bis zu jenem halbmondförmigen berühmten weißen Kieselsteinstrand, der Buchtitel und Werbeplakate ziert. Über Ölüdeniz und was danach kommt berichten wir in unseren nächsten Türkei-Törnvorschlägen.

Der Törn
Der kleine Yachthafen der Turban-Kette unterhalb der Altstadt Antalyas wäre der Ausgangshafen, hätten wir einen Liegeplatz gefunden. So starten wir besser in der außerhalb gelegenen Setur-Marina, im alten Handelshafen, fünf Seemeilen westlich. Die Umgebung ist nicht sonderlich attraktiv. Dafür bietet die Marina jeglichen Komfort einschließlich Behörden (Port of Entry), Travellift, Winterstellplätze an Land, Supermarkt, Reparaturwerkstätten und regelmäßigen Transfer zur Stadt. Der Flughafen ist nur eine halbe Stunde entfernt.

Die Marina kam durch den Wirbelsturm, der Anfang Januar 1997 einige Yachten und Gulets umwarf und mehr oder weniger zerstörte, ins Gerede. Unkenrufen zum Trotz: Der böse Zufall, der die Windhose genau auf die Marina lenkte, ist so unwahrscheinlich, daß er sich kaum wiederholen wird. Kemer ist unsere erste Anlaufstation. Ein Ort aus der Tourismus-Retorte, aber eine Marina der Turban-Kette, die es in sich hat. Hier findet der Yachtreisende alles, was sein Schiff begehrt: sichere Muringplätze, Tankstelle, Wasser, Diesel, Supermarkt, Yachtausrüster, Travellift, Winterstellplätze, Duschen, Waschmaschinen und Behörden (Port of Entry). Flughafen Antalya eine Autostunde entfernt.

Die nächsten Törnstationen sind allesamt Buchten, obwohl sie mit dem Zusatz Limani (= Hafen) protzen: Tekirova Limani, Tatlisu Limani, Tatbükü Limani, Girali Limani, Çineviz Limani und Sazak Limani. Die südliche Bucht von Tekirova, dem antiken Phaselis, sollte man nur tagsüber anlaufen, um die antike Hafenstadt zwischen Lorbeerbäumen und Kiefern zu erkunden. Tatlisu verspricht im Namen süßes Wasser, ist aber nicht mehr als eine offene Bucht. Etwas sicherer gegen nördliche Winde liegt man in der klippenumsäumten Atabükü-Bucht. Die offene Reede vor dem Strand von Olympos (Girali Limani) sollte man nur bei garantiert ruhigem Wetter anlaufen. Die Akropolis und verwunschene Ruinen im Dickicht sind zu entdecken. Wer den Berghang hinaufsteigt, wird aus der Erde züngelndes, nach Schwefel riechendes Feuer entdecken. Hier tötete Bellerophon, auf Pegasus reitend, die legendäre Chimäre, ein Fabelwesen der Antike aus Löwenkopf, Ziegenleib und Schlangenschwanz.
Genuesische Seefahrer gaben der Bucht Çineviz den Namen. Schroff und wild ist es hier; einige gezackte Felsen liegen wie Haifischzähne in der Mitte der Einfahrt. Der Platz bietet einigermaßen Schutz; bei starkem Nordost sollte man Nachtwachen einteilen. Sazak Limani, nur durch den Isthmus von Çineviz getrennt, ist nur im südlichen Teil zum Ankern geeignet. Die Berge im Hintergrund sind hoch und böengewaltig!

"Ums Eck" herum bietet die Carus-Bucht den letzten Ankerplatz vor der südöstlichen Wendemarke des Törns: Kap Taslik Burun. Wind, Strom, vorgelagerte Inseln mit Klippen und Riffen machten dieses Kap in alten Zeiten zu einem berühmt-berüchtigten Schiffsfriedhof. Achtung also beim Runden! Wer Zeit hat, kann im Ostteil des Karöz Limani in der weiträumigen Bucht von Finike versteckte Ankerplätze zwischen Felsnasen und steilen Wänden entdecken.
In der Gemeinde-Marina im Hafen Finike kommen Bordfrau und Smutje auf ihre Kosten: Der typisch türkische Ort bietet alles, um die Vorräte aufzufrischen.

Auf den Spuren des Heiligen Nikolaus wandelt, wer im Taxi oder Dolmus von Finike zum 35 Kilometer entfernten Myra verholt. Hier lebte der Ahnherr aller Nikoläuse als Bischof (4. Jahrhundert nach Christus). Er wird von Taschendieben, Jungfrauen, Seefahrern und Kindern als Schutzpatron verehrt. Im Juni 1997 findet im süditalienischen Bari ein Nikolausfest zur Erinnerung an die Kaufleute und Fischer statt, die im 12. Jahrhundert die Gebeine des Heiligen bei Nacht und Nebel aus der Nikolauskirche in Myra stahlen und nach Bari segelten. Im Mai/Juni 1997 segelt eine Erinnerungsflottille eben diese Etappe zum Fest in Bari. Von Finike ist es eine kurze Tagesstrecke ins Buchtenparadies rund um die Insel Kekova. Versunkene Sarkophage, byzantinische Ruinen, eine seldschukische Festung und urige Tavernen warten darauf, entdeckt zu werden.

In Tagesetappen liegen die Versorgungsstationen Kas und Kalkan westlich am Kurs. Beide bieten viel Atmosphäre und typisch türkisches Ambiente. Kas ist Port of Entry. Wenn der Hafenrummel zu laut ist, finden sich in Bayindir Limani, südlich von Kas, oder in Yesilköy Limani, gegenüber von Kalkan, ruhige Ankerplätze für die Nacht. Kalkan ist der beste Ausgangsort für Taxifahrten nach Xanthos, Letoon und Patara.
"Reise-Reise", am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen und gegen den sommerlichen Meltemi die sieben Kaps bezwingen. Nach dem langen Sanddünen-Strand von Patara und der Mündung des Esen Cay (an dem landeinwärts die Ruinen von Xanthos liegen) geht es munter bergauf. Olivenkap, Schwertkap, Steuerbordkap, flaches Kap, dünnes Kap und schlechtes Kap heißen die Kaps ohne Schutz und Schlupf. Erst wer Ölüdeniz unter dem fast 2000 Meter hohen Babadagi (Vaterberg) erreicht hat, kann Anker werfen. Doch dies ist eine andere Geschichte, die wir unseren nächsten Törnvorschlägen vorbehalten wollen.

Gefahren

  1. Verschiedene unbeleuchtete Tonnen vor dem Handelshafen (Setur-Marina) Antalya.
  2. Riffkette südlich der Einfahrt in der Tekirova-Bucht (Phaselis).
  3. Klippen vor der Küste nordwestlich der Insel Sulvada und Felsen nahe der Insel (drei Seemeilen vor Kap Taslik Burun).
  4. Klippenbank 150 Meter nördlich des West-Kaps der Insel Kekova.
  5. Das "Martini-Riff" vor der südlichen Einfahrt zum Gökkaya Limani (Kekova).
  6. Untiefe zwischen den beiden Inselchen vor Karaadalar südwestlich der Seeseite von Kekova.
  7. Klippen südöstlich vor dem Dorf Kale (gegenüber der Insel Kekova).
  8. Riffe und kleine Felsinseln zwischen Kastellorizon und türkischem Festland.
  9. Die Klippe etwa zwei Seemeilen östlich der Insel Heybeli Ad zwischen Kas und Kalkan.
  10. Die Klippenbank südlich von Saribelen Ad (östlich Kalkan Bucht).
  11. Militärische Übungs- und Schießgebiete im gesamten Törngebiet.


Törnstrategie
Generell gilt: Morgenstund' hat Gold im Mund. Wer bis mittags wartet, muß mitunter mächtig gegenanbolzen. Bei Antalya weht frühmorgens der Wind von den Bergen aufs Meer. Wer früh aufsteht, kann ihn nutzen und bis Kemer oder weiter segeln. Im Laufe des Vormittags setzt der Seewind ein, gegen ihn muß am Nachmittag aufgekreuzt werden. Weht der Meltemi aus Nordwest, segeln wir raumschots unter Land (Fallböen) bis hinunter zum Kap, der Wendemarke. Der Strom schiebt uns mit knapp einem Knoten ums Kap; meist steht Westwind dagegen, und die See kabbelt kräftig.
Bis Finike geht es mit Wind von Land (sofern der Meltemi weht). Nach Kas und Kalkan geht es ebenfalls gegenan; es sei denn, wir segeln im Frühjahr oder Herbst mit Südostwind von hinten. Früh aufstehen gilt besonders für die Strecke Kalkan Richtung Ölüdeniz bei Meltemi: Die Wellen, die ab Mittag vor der Küste stehen (Strom gegenan), haben schon manche Crew zum Abdrehen gezwungen. Nur bei sommerlich entspanntem Wetter (ohne Meltemi) kommen wir hoch oder halb am Wind voran - der weht dann aus West oder Südwest.

Sehenswürdigkeiten
Antalya an sich, Termessos, Phaselis, Olympos, Myra (Felsgräber, Nikolauskirche), Kale/Kekova, Patara, Letoon und Xanthos am Esen.

Versorgung
Alles für den Törn (auch Schiffsausrüstung) in den Marinas Setur und Kemer. In den Häfen Finike, Kas und Kalkan frische Lebensmittel, Obst und Gemüse. Diesel und Wasser in Setur, Kemer, Finike Kas und Kalkan; Gas in jedem Ort.

Nautische Unterlagen
Türkische Seekarten, 1:100000: Fethiye-Kas und Kas-Antalya; Deutsche Seekarte, 1:300000: Fethiye-Alanya.

Flughäfen
Internationale Flughäfen Antalya und Dalaman zwischen Göçek und Fethiye.

Charter
Antalya bedient Setur und Kiriacoulis. Buchbar über diverse Agenturen. Kemer bedient Karada und Pupa.
Finike: Einwegtörns möglich mit Stardust oder Offshore.

Revierinfos im Überblick

(Reisebericht aus YACHT Heft 5/1997)


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