.WAF L ( l S T 2N$2seT) ntry (VmDxIYN$2seT) 1, Qurl +http://www.yacht.de/reviere/reviere56.html mime text/html hvrs data
Anders als MarmarisHier ist nichts so, wie wir es aus dem Revier um das türkische Chartermekka Marmaris kennen! Marinas sind Mangelware, Gulets selten. Die Küste zwischen Kusadas und den Dardanellen will entdeckt werden.
Im nördlicheren Teil der Ägäis kreuzen nur wenige Yachten gegen den meist kräftigen Seewind an. Es gibt nur eine perfekte und eine nahezu fertige Marina und (noch) keine Gulets, die die Buchten mit Lärm erfüllen. Im Hochsommer ist es - wenn bei Marmaris und südlicher das Leben unter der Hitze erschlafft - hier "oben", dank des frischen Windes, um einige entscheidende Grade kühler, was durchschlafbare Nächte garantiert. Wer also reichlichen Wind zu genießen weiß und gerne seglerisches Neuland entdeckt, wer darüber hinaus bereit ist, abends mal einen Pullover überzuziehen und sich in einer einsamen Bucht nicht verloren vorkommt, weil keine Yachten oder Gulets neben ihm liegen, der sollte einen Blick auf diesen nördlicheren Küstenabschnitt der türkischen Ägäis werfen. Mittelhohe Berge und die beiden griechischen Inseln Chios und Lesbos begrenzen das Revier. Der tief ins Land einschneidende Golf von Izmir unterbricht die Küstenlinie und öffnet Groß- und Fährschiffen den Zugang zur drittgrößten Stadt des Landes. Kleinere Orte wie Sigacik, Çesme, Foça, Dikili und Ayvalk haben den handfesten Charme von Fischer- und Handelshäfen. Ihre Gemeindeväter sind teilweise auf die Wünsche der Segler eingegangen und haben Anlegeplätze für durchreisende Yachten eingerichtet. Die einzige eingespielte Marina an diesem Küstenabschnitt ist Altin Yunus (Golden Dolphin) im Ildir-Golf östlich von Çesme. Die älteste Yachtanlage der Türkei ist ganzjährig geöffnet, bietet jeglichen Service, verfügt aber nur begrenzt über Gastliegeplätze. In Sigacik, etwa in der Mitte zwischen Kusadas und Çesme gelegen, wird seit mehr als zehn Jahren über eine Großmarina gesprochen, geschehen ist bisher aber so gut wie nichts. In Çesme wurde in diesem Frühjahr das Hafenbecken am inneren Yachtanleger ausgebaggert, erste Murings sind ausgelegt worden. Demnächst soll eine Schutzmole errichtet werden, die den Tagesschwell abhält, der bei Nordwestwind das Liegen noch ungemütlich macht. Liegeplatz, Wasser, Toiletten und Duschen bietet die Charterbasis Franken & Meer durchreisenden Gästen gegen geringes Entgelt an. Allein in Ayvalk ist das private Marina-Projekt fortgeschritten: Murings für 100 Yachten, Strom und Wasser sowie intakte Duschen und Toiletten werden angeboten. Man mag den zögerlichen Fortschritt bedauern. Mit Sicherheit ist dies aber der Grund dafür, daß das Revier noch nicht überlaufen ist. Die Golfe und Buchten sind von überraschender Schönheit und bieten guten Schutz. Einzig die allgegenwärtige Bebauung mit den an der gesamten Küste so beliebten Ferienhaussiedlungen verdirbt mitunter die Optik ein wenig. Von Juni bis September wehen zwischen Ayvalk und Kusadas meist nördliche Winde, je nach Küstenverlauf auch aus nordwestlicher beziehungsweise nordöstlicher Richtung. Sie können nachmittags leicht 6 und mehr Beaufort erreichen und werfen - besonders in den engen Passagen zwischen Inseln und Festland - eine steile See auf. Bei starken Winden, die die Nacht durchblasen, muß man grundsätzlich frühmorgens aufbrechen, da der Wind am Nachmittag noch zulegt. Für den Törn nach Norden würde ich ein Drittel der Zeit einplanen und zwei Drittel für die Reise zurück. Im Frühjahr und im Herbst ist mit wechselnden Winden zu rechnen, auch aus Süd beziehungsweise Südost. Entsprechend ist die Törnstrategie nach dem Barometer und dem örtlichen Wetterbericht einzurichten. Ankerplätze, die bei sommerlichen Nordwinden sicher sind, bieten in der Regel keinen Schutz bei südlichen Winden und sind deshalb bei Lodos, so der Name für den gefürchteten Südoststurm, unbedingt zu meiden. Die Buchtenbücher geben detaillierte Auskunft, gegen welche Richtung die jeweilige Bucht geschützt ist. Ausgangsstation für unseren Törn ist Çesme, die kleine Hafenstadt westlich von Izmir. Hier hat die deutsch-türkische Charterfirma Franken & Meer/ Sailing Çesme ihren Stützpunkt eingerichtet. Die Basis geht auf eine enge persönliche Freundschaft zwischen dem deutschen Fischhändler Heinz Reinwald und dem türkischen Obsthändler Safer Kavak in Nürnberg zurück. Geleitet wird die Station von Josef Valenta, der in Marmaris einschlägige Erfahrungen mit Charteryachten gesammelt hat. Zwei Törnrouten sind möglich: eine südliche, Richtung Kusadas, und eine nördliche über den Izmir-Golf gen Ayvalk. Möglich sind sogar Fahrten bis Istanbul, die Versicherung für die Yachten wurde entsprechend erweitert. Da wir in den Sommermonaten unterwegs sind und den letzten Teil des Törns mit Rückenwind segeln wollen, entscheiden wir uns für die nördliche Route. (Törns nach Griechenland sind ebenfalls machbar, werden jedoch in dieser Empfehlung ausgeklammert.) Der erwähnten Strategie folgend, gehen wir die Wendemarke Ayvalk in Siebenmeilen-Schlägen an, um dann mit Raumschotswind die schönen Golfe und Buchten auszusegeln. Am ersten Törntag machen wir uns mit der Yacht vertraut und kreuzen im geschützten Revier des Ildir-Golfes. Zahlreiche Ankerbuchten bieten sich an. Wir entscheiden uns für die östlichste an der Südküste der Insel Karaada, eines beliebten Tagesziels wegen der silbergrauen Esel. Achtung, Fallböen: Anker gut eingraben und genügend Kette stecken; eventuell Landleine ausbringen. Etwa auf halber Strecke nach Ayvalk liegt Foça, das Ziel des zweiten Tages. Wir starten früh am Morgen und kreuzen gegen den sommerlichen Nordwind durch die Passage zwischen der Chios vorgelagerten Insel Oinousai und der türkischen Halbinsel Karaburun mit ihren steil ins Meer abfallenden Berghängen. Liegt der Leuchtturm auf der Nordwesthuk von Karaburun hinter uns, gewinnen wir den freien Seeraum südlich von Lesbos. Im Südosten öffnet sich die Einfahrt in den Golf von Izmir, und nordöstlich lockt der Golf von Çandarli mit der Flußmündung des Bakirçay. Wir segeln in etwa nach Osten auf den Insel-Archipel von Foça zu. Der Club Mediterranée hat hier eine seiner schönsten Anlagen. Achtung beim Navigieren durch das klippenreiche Insel-Labyrinth. Foça selbst ist ein kleiner, sauberer Ort mit genuesischem Kastell und alter Stadtmauer. Tags darauf verlassen wir den Archipel von Foça und steuern über den weiten Golf von Çandarli auf die Südostecke von Lesbos zu, die sich vor uns, genau im Norden, sanft aus dem Meer erhebt. Mit Glück können wir anliegen und erreichen Stunden später die Meerenge zwischen Lesbos und dem türkischen Festland. Die Küste knickt nach Nordosten weg, und an Steuerbord tauchen die roten Dächer von Dikili auf. Der Hafen ist eng und voll belegt mit Fischerbooten. Yachten finden aber meist einen freundlichen Fischer, der beim Einparken behilflich ist. Sollte es trotzdem nicht möglich sein, einen Liegeplatz zu finden, weichen wir zum ein paar Meilen südlich gelegenen Buchtenparadies von Bademli aus. Von Dikili nach Ayvalk ist es nicht mehr weit. Es geht zwischen Europa (Lesbos) und Asien hin und her. Durch die Passage zwischen Insel und Festland weht meist eine kräftige Nachmittagsbrise, gegen die wir sportlich aufkreuzen. Bei der Einsteuerung in den Archipel von Ayvalk ist mit großer Sorgfalt zu navigieren: Inselchen und Riffe liegen davor; im inneren Teil führt ein Bakenstrich zur nahezu fertigen Marina am Rand der Stadt. Im Archipel sind acht bis zehn reizvolle Ankerplätze zu entdecken; insbesondere die Insel Alibey lohnt einen Besuch wegen der Fischrestaurants und der Kirche des Heiligen Nikolaus aus griechischer Zeit. Auf dem Kurs nach Süden lassen wir uns Zeit und laufen all die Buchten an, die das Revier so abwechslungsreich machen. Zunächst Bademli Limani mit seinen Ankerplätzen zwischen den beiden schmalen vorgelagerten Inseln und der heißen Thermalquelle auf der Festlandsseite gegenüber Kalem Adasi (Bleistift-Insel). Für die Nacht bietet sich die Bucht von Çandarli an, wo wir vor der Ortschaft und dem eindrucksvollen genuesischen Kastell auf Schlick frei schwojen. Einfache Restaurants an Land.
Südlich liegt die Aliaga-Bucht mit Ölraffinerien und Abwrackwerften für ausgediente Frachter und Tanker. Um diese Bucht machen wir einen großen Bogen. Wer noch Zeit hat, segelt statt dessen ein Stück in den Golf von Izmir, zum Beispiel um den urigen Fischerhafen Urla anzulaufen. Oder Mordogan, Kavurlukoz oder den Geheimtip Kaynarpinar. Nach Izmir selbst würde ich mich nicht hineinwagen: Die Gewässer um die Stadt stinken, und das Herauskreuzen gegen den kräftigen Tageswind ist mühsam. Wer immer noch Zeit hat, läuft besser südlich von Çesme die Buchten Alaçati, Mersin, Zeytineli, Sarpdere und Gökliman oder den kleinen Hafen von Sigacik an. Von hier ist es nur ein Tagesschlag nach Kusadas.
(Reisebericht aus YACHT Heft 16/1997) |