Dass es in anderen Ländern ähnlich, auf keinen Fall besser ist beschreibt hier ein ehemaliger Kroatien-Segler, der in die Türkei wechselte:
Natürlich gibt es auch billige Buchten und Häfen in Kroatien. Wir wollen Kroatien nicht schlecht reden, und dann feststellen, dass die vermeintlich billigeren Mittelmeerländer ebenso teuer bzw. noch teuerer sind!
Zu Marinapreisen in der Türkei: Es ist schon ein grosser Unterschied ob ich als Chartercrew mit ca 6 zahlenden Personen unterwegs bin, da schrecken auch Tagessätze von 50 bis 100Euro nicht wirklich, geht ja alles durch 6 und dauert nur kurz! Der Privatsegler dagegen muss alles allein tragen und das sprengen die Gebühren fast jedes Budget! Was bleibt ihm also? Nur in Notfällen Marinas anlaufen, immer auf kostenfreie Ankerplätze und Restaurantstege ausweichen, wenn dies auch mit Komfortverzicht (fehlende Landverbindung, Dingibetrieb, kein Landstrom/Wasser, keine komfortable Dusche/Toi usw.) verbunden ist.
Interessant sind für diese Spezies jedoch Kosten eines Dauerliegeplatzes im Winter. Da betragen die Gebühren max 10 Euro/Tag für ein 12 m Boot in der Türkei. Wenn man nicht unbedingt auf einen speziellen Ort/Marina fixiert ist, lassen sich da durchaus "Schnäppchen" finden!
Dass türkische Marinas die Preise rasant anziehen würden, war schon vor Jahren abzusehen; angesichts noch immer steigender Nachfrage auch durchaus nachvollziehbar wie in Kroatien - würde jeder so machen.
Im direkten Vergleich mit der Adria lohnt es sich allerdings, etwas differenzierter hinzuschauen: Wenn man ausschließlich die Tagespreise betrachtet langen die Türken tatsächlich gewaltig hin. Anders schaut's bei den Jahrespreisen aus; sicher sind die jährlichen Steigerungsraten zwischen 15 und 25 % immens, aber dennoch: Für meinen Jahresliegeplatz im Wasser habe ich für die laufende Saison in Turgutreis knapp 2.900 Euro bezahlt; als ich 2006 aus Portoros weggezogen bin, wären dort im Wasser schon damals ca. 3.400 Euro fällig gewesen. Und was Ausstattung, Sauberkeit, Dienstleistungen, Engagement und Freundlichkeit angeht, liegen zwischen Turgutreis und Portoros Welten.
Die im Vergleich zu den Jahrespreisen hohen Tagespreise beruhen nach meiner Vermutung darauf, dass die türkischen Marinas in anderer Weise genutzt werden als die kroatischen. Grund: der Anteil einheimischer Liegeplatzinhaber gegenüber Ausländern ist in der Türkei wesentlich höher als in Kroatien. Die Segelei/das Bootfahren haben die Türken erst vor kurzem als Freizeitvergnügen entdeckt; und anders als (zumindest) in Dalmatien, wo der Umgang mit Booten so selbstverständlich ist wie bei uns das Radfahren, haben nur wenige Türken ein "gewachsenes Verhältnis" zur See und zur Seefahrt. Nach meiner Beobachtung hält sich der bei weitem größte Teil der türkischen Eigner ihre Schifferl als Statussymbol. Wenn man es mal geschafft hat, ohne bleibende Schäden am eigenen Schiff wie an denen der Nachbarn auszuparken, geht's in der Regel vormittags unter Motor in eine benachbarte Bucht zum Baden und Relaxen und abends wieder zurück in die Marina. Übernachtet wird selten an Bord; und wenn tatsächlich mal Törns über mehrere Tage unternommen werden, dann in nächster Nähe.
Demzufolge halten die Marinas auch nur einen geringen Teil ihrer Liegeplätze für Transitgäste vor, lassen sich diese dann aber vergolden.