Der Insider



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Den Wetterbricht nicht ernst genommen - Folge: Chaos und Strandung!

Am 30. Oktober 2003 sagte der Wetterbericht Südost 3 bis 5, später zunehmend 6 bis 7 voraus und kündigte für den nächsten Tag auf Nord drehenden Wind an. Trotzdem machte die Crew die Yacht A gegen Nachmittag in der nach Süden offenen Bucht Çiftlik Limani bei Marmaris längseits am Eisensteg mit Holzplanken fest. Männer aus dem Fanya Club Restaurant übergaben zwei Muringleinen, eine für achtern und eine für das Vorschiff. So konnte das Schiff etwas vom Steg abgehalten werden. Der Skipper brachte außerdem Vor- und Achterleine, sowie Vor- und Achterspring an den Steg. Sechs Fender sicherten das Boot zu den Eisenverstrebungen.

Wind und Schwell nahmen ständig zu. Als der erste Festmacherring am Steg abgerissen war, wurden von den Restaurantleuten die Muringleinen ausgewechselt. Vor Yacht A hatte einer weitere Yacht B mit Bug nach Westen längseits festgemacht. Zum Ausgang der Bucht nach Osten hin lagen noch drei weitere Yachten mit Heck zum Steg und Muringleinen am Bug.

Gegen 20 Uhr kam der Besitzer der Steganlage und kündigte noch mehr Wind an. Er empfahl allen Skippern dringend, den Steg unverzüglich zu verlassen. Die drei Yachten vor Bug-Muring legten problemlos ab und verholten in eine geschützte Bucht. Bei den beiden längseits liegenden Yachten A und B kam es im Laufe der folgenden Ereignisse zu Chaos und Strandung. Das Problem begann damit, dass die Restaurantleute die Leinen der Yacht B lösten und so deren Ablegemanöver einleiteten. Der Schwell hatte inzwischen erheblich zugenommen. Es war stockfinster.

Als alle Leinen einschließlich der beide Murings gelöst waren, wurde das Vorschiff nach Steuerbord vom Steg weg gedrückt. Der Rudergänger versuchte diese Richtung zu nutzen und kurz vor dem Strand auf die Buchtmitte hin zu drehen. Doch dies gelang nicht, weil der Schwell das Boot in die Muringleine der Yacht A drückte. Die Muringleine
kam beim Wendeversuch in den Propeller und blockierte die Maschine. Damit war die Yacht manöverierunfähig und wurde zum Spielball der Wellen.

Zwar konnten noch rasch zwei Heckleinen ausgebracht werden. Der Kiel wurde durch die zweite Muringleine der Yacht A festgehalten. Schiff B wurde daraufhin verlassen. Gegen 0:20 brachen beide nachträglich ausgebrachten Heckleinen und die Yacht trieb auf den Strand. Das Schiff stampfte in den Wellen und rollte in den Steinen auf und ab.

Yacht A war lag noch am Steg fest. Die Crew sprang mit Schwimmwesten ins Wasser und konnte sich an Land retten. Nach einiger Zeit rissen die Leinen dieser Yacht ebenfalls und sie trieb steuerlos auf den Strand, wo sich beide Yachten ineinander verkeilten. Der Wind war inzwischen auf 8 bis 9 gestiegen, Grundseen donnerten auf den Strand. Das Chaos war perfekt. Am nächsten Morgen bot sich im nachlassenden Seegang ein trauriges Bild:





Kommentar dazu:



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Strandung in Çiftlik Bucht

Jürgen, 4.7.2010
Hallo, Skipper der AUBANCE, mich würde mal interessieren, ob die Crew der HEATHER, respective deren Skipper, oder die Haftpflichtversicherung der HEATHER Euren Schaden bezahlt hat. KEEP SAILING Jürgen

Skipper der AUBANCE , 23.8.09
Es ist schon interessant, die Beschreibung unserer Havarie (ich war Skipper der AUBANCE , Yacht A) nachzulesen, auf die ich in diesem Sommer zufällig gestoßen bin.

Auch wenn sogar die Skizze aus meinem Havariebericht in der Beschreibung verwendet wird, sind einige Fehler unterlaufen bzw. ist der Sachverhalt nicht vollständig korrekt übermittelt worden.

Richtig ist, dass Wind der Stärke 6 in Böen 7 angesagt war. Die Bucht wurde in unserem damaligen Revierführer (Horn/Hoop) als bei südlichen Winden als einigermaßen geschützt beschrieben, was von den übrigen Buchten an der Südküste der Halbinsel Loryma üblicherweise nicht gesagt werden kann. Das wir den Wetterbericht nicht ernst genommen hätten, ist nicht zutreffend.

Falsch ist, dass der Wind im Laufe der Nacht auf 8-9 bft. gestiegen sein soll. Es hat in der Bucht zu keiner Zeit mehr als Bft. 6 in Böen 7 geherrscht. Lediglich die Welle, die in die Bucht lief, war mit ca. 1,5 m für einen Liegeplatz am Steg sehr hoch.

Falsch ist auch, dass der Hafenbetreiber alle Yachten zum Ablegen aufgefordert hat: er hatte uns zuvor sogar noch geholfen die seitlichen 2 Festmacherleinen zum nördlichen Badesteg anzubringen. Da wir daraufhin mit einigem Abstand zum Steg lagen und das Schiff den Wellen einigermaßen folgen konnte, hatte er uns explizit aus der Ablegeaufforderung ausgenommen.

Falsch ist auch, dass bei Boot A die Ringe der Festmacher am Steg ausgerissen seien, das ist bei Boot B passiert, die sich sehr dicht gezurrt hatten. Falsch ist auch, dass der Hafenbetreiber der Crew des Schiffes B die Festmacher abgeschnitten hat. Er hat sie zum Auslaufen aufgefordert und das Abschneiden angedroht, wozu es jedoch nicht kam, da der Skipper der HEATHER (Boot B) das Ablegen selbst eingeleitet hat und dabei über unsere Mooring gefahren ist.

Falsch ist, dass die Besatzung des Schiffes A mit Schwimmwesten ins Wasser gesprungen sei: Als uns die quer vor uns liegende HEATHER mit um die Schraube gewickelter Mooringleine und zwei mit unserer Hilfe notdürftig ausgebrachter Achterleinen blockierte und zudem dann die für die Wintersaison bereits losgeschraubten Bretter des an dem Felsen entlanglaufenden Stegs aufschwammen, habe ich beschlossen, das Schiff zusammen mit meinem Co-Skipper zu verlassen (unsere Frauen und die 4 Kinder waren bereits bei noch intaktem Steg von Bord gegangen). Ich habe mich gegen 21 h als letzter über das nackte Stahlgerüst balancierend an Land verbracht, da wir keine Eingreifmöglichkeit mehr sahen- zumal unser Schiff bei dem rel. hohen Wellengang bereits mehrfach mit dem Ruderblatt aufgesetzt hatte und an ein Auslaufen nachdem die HEATHER um 24 h unfreiwillig Platz gemacht hatte, nicht zu denken war.

Die Besatzung der HEATHER (Schiff B) hatte - entgegen der Beschreibung - keine Chance das Schiff zu Fuß zu verlassen, da das Schiff ohne direkte Verbindung zum Steg im Hafenbecken schwamm. Nachdem die HEATHER (Schiff B) sich gegen 24 h losgerissen hatte und gegen den ebenfalls in der Buch liegenden Badesteg schlug, stieg die Besatzung (mit Schwimmwesten) auf diesen Steg über. Da auf dem Steg von dieser Badeinsel zum Land auch bereits die Bretter aufgeschwommen waren, fiel ein Crewmitglied auf den letzten 10 m zum Land ins Wasser. Anschließend legte sich die HEATHER an die kleine Kaimauer und wurde durch den Wellengang langsam zerschlagen. Um ca. 0.30 riss sich auch unsere AUBANCE von den letzten Festmachern los und zerschlug neben der HEATHER am Kai.

Im übrigen haben wir von der Crew der HEATHER nach einem Urteil des Landgerichts Mannheim (die Crew der HEATHER kam aus der Gegend um Mannheim) ca. 60% unseres Schadens von ca. 10 ersetzt bekommen.

Der Versicherer unseres Schiffs hatte interessanterweise weder vor noch nach dem Urteil Interesse, den Sachverhalt zu klären und gegen die Versicherung der HEATHER Regressansprüche zu stellen.

Die Situation beschäftigt mich noch Jahre nach dem Vorfall. Es wäre sicher richtiger gewesen, frühzeitig auszulaufen aber die Eskalation durch die in unsere Mooring gefahrene HEATHER war sicher so nicht vorhersehbar und der Hafenbetreiber, der die Verhältnisse in seiner Bucht kannte, war ebenfalls der Meinung, wir seien als einzige gut vorbereitet auf die Wettersituation. Er selbst hat am nächsten Morgen beim Anblick der Yachten geweint.

Generell ist es richtig, dass durch die Beschreibung der Havarie die anderen Revierbesucher gewarnt werden, aber diese Richtigstellung war mir zur Ehrenrettung des Hafenbetreibers und auch von mir und meiner Crew wichtig.

Vielen Dank und mein Kompliment für die aktuelle Berichterstattung aus dem türkischen Teil des Mittelmeers!

Mit freundlichen Grüßen und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!
Skipper der AUBANCE zum Zeitpunkt der Havarie am 30.10.2003

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