Der Insider
Kabbelsee zwischen Golf von Fethiye und Ekincik
18.11.2008

Als langjähriger Abonnent Ihres Newsletters lese ich gerne die letzten Neuigkeiten von der türkischen Küste. Ich möchte jedoch gerne eine Frage stellen, die mich schon länger umtreibt und die Sie als Revierkenner vielleicht beantworten können.

Ich habe im letzten Sommer (Anfang Juli) in der Yacht-Marina in Göcek ein Boot gemietet. Da ich bereits mehrere Male dort unten gechartert habe, hatte ich bereits im Vorfeld auch einen Zwischenstopp im myMarina-Restaurant in Ekicik geplant.

Wir sind also eines Morgens von ECE-Marina, Fethiye nach Ekincik aufgebrochen. Wunderbares Wetter, lt. Wetterbericht alles im grünen Bereich, wenig Wind, 0,5m Wellenhöhe.

Nachdem wir also bereits einige Zeit aus der Fethiye-Bucht heraus waren, baute sich unerwartet eine kabbelige See auf, die auch bis kurz vor der Einfahrt in den Dalyan-Fluss andauerte. Das waren rd. 5 Stunden, die wir gegen diese Welle anmussten, die dann auch noch immer aus verschiedenen Richtungen heranlief.

Rund 2 Jahre früher, ist mir das gleiche mit einem anderen Boot und anderen Mitfahrern passiert und von einigen Kontakten habe ich gehört, dass ihnen das auch genau dort schon passiert ist.

Deshalb meine Frage, muss man auf diesem, doch eigentlich recht einfachen Teilstück mit besonderen Bedingungen rechnen? Gibt es dort eine lokale Besonderheit, die man nicht unbedingt im "grossräumigen" Wetterbericht erkennen kann? Wenn ja, welches ist die richtige Quelle für bessere Wetter-Hinweise?

Leider hat meine Frau mir nach diesem Wellenritt ihre Gesellschaft beim Segeln aufgekündigt, was sehr schade ist. Ich möchte jedoch nach wie vor in der Türkei skippern, insofern wäre es mir eine große Hilfe, wenn Sie meine Fragen beantworten würden.

Viele Grüße aus dem sonnigen Dortmund (immerhin 26°C) und danke im voraus.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Gurowietz

Antwort:

Hallo Herr Gurowietz,

da haben Sie etwas erlebt, das mir auch schon mehrmals auf dieser Strecke untergekommen ist. Meine Erklärung dafür ist folgende: Bekanntermaßen läuft die Strömung an der türkischen Küste gegen den Uhrzeiger grob gesagt von Süd nach Nord. Der Wind kommt jedoch im Sommer meist aus nördlichen Richtungen. Wenn nun der Strom gegen den Wind schiebt entsteht eine meist sehr unangenehme Welle, die manchmal deutlich höher sein kann als die vorherrschende Windstärke erwarten lässt. Ähnliches kennt man aus der Elbmündung, wenn ablaufende Tide gegen NW-Wind steht. Nur ist hier der Seegang meist viel heftiger. Segelt man am Nachmittag von Kalkan nach Ölüdeniz hinauf ist es oft ähnlich.

Nun haben wir ja oft die Situation, dass vor allem vormittags der Wind südöstlich von Rhodos ganz schwach ist, aber weiter westlich oder nordwestlich bereits stärker weht, also eine mehr oder weniger starke Dünung aufläuft. Wenn nun diese Dünung gegen den nordwärts schiebenden Strom angehen muss, entsteht die von Ihnen beschriebene unangenehme Kabbelsee. Eine ähnliche Situation treffen Sie auch, wenn Sie das Kap von Knidos runden und gegenan nach Bodrum hinauf kreuzen müssen. Nur ist hier der Wind meist stärker, weil er von den Bergen von Kos herunter fegt und die See entsprechend eindeutiger und höher. An anderen Ecken der Küste kann man das ebenfalls beobachten, z.B. im Seeraum vor Yalikavak usw. Allerdings ist die Situation nie die gleiche, weil immer das umliegende Land bzw. die Inseln darauf einwirken.

Im Wetterbericht findet man diese besondere Situation nicht erwähnt, weil das ja immer sehr regional ist und insbesondere mit der Lage der vorgelagerten Inseln und der sie umlaufenden Dünung bzw. mit dem von "unten" nach "oben" schiebenden Strom zu tun hat.

Schade, dass Ihre Frau die Lust verloren hat. Aber es ist ja nicht immer so. Ich habe auch schon die herrlichsten Segelerlebnisse zwischen dem Golf von Fethiye und Marmaris gehabt.

Ich hoffe, dass Ihnen meine Erklärung geholfen hat und wünsche Ihnen weiterhin viel Freude an der türkischen Küste
Sonnige Grüße aus Bodrum
Udo Hinnerkopf