Warnung vor dem giftigsten Fisch von Skipper Dr. Thomas Boeck aus Lörrach
12.7.2012
Wir waren vor drei Wochen an der Lykischen Küste zum x-ten mal mit einer Charteryacht unterwegs und hatten eigentlich einen wunderschönen Törn. Bis unser Sohn, der begeistert angelt, einen Kugelfisch im Golf von Fethiye an der Angel hatte.
Da ich gelernt hatte, dass man eigentlich im Mittelmeer alle Fische essen kann, haben wir ihn ausgenommen (mit bloßen Händen!) filetiert und er war fast schon in der Pfanne. Da unserem Sohn dann doch Zweifel kamen, da dieser Fisch überhaupt nicht den im Bay Express abgebildeten Fischen ähnelte, fing er an über sein iPhone zu recherchieren und stieß dann auf besagten Kugelfisch (Lagocephalus Sceleratus), der durch den Suezkanal aus dem Roten Meer ins Mittelmeer eingewandert ist und sich schnell verbreitet hat.
Das wäre ja eigentlich nicht übermäßig tragisch, wenn er nicht auch noch dazu hochgiftig ist (exakt in dieser Jahreszeit) mit einem der stärksten Nervengifte überhaupt und als Fugu-Fisch in Japan nur von ausgebildeten Profis zubereitet werden darf.
Nachdem wir das in Erfahrung gebracht hatten und unsere Charterbasis (denen das Problem auch nicht bekannt war) uns riet, umgehend eine Klinik aufzusuchen (die Giftnotrufzentrale in Berlin hat uns für verrückt erklärt, da es diesen Fisch im Mittelmeer nicht gäbe), kam bei uns Panik auf und wir sind nachts noch aus unserer wunderschönen, einsamen Bucht nach Fethiye aufgebrochen, wo wir umgehend die Klinik aufsuchten.
Dort war das Problem bekannt und man konnte uns Entwarnung geben, da wir den Fisch nicht verzehrt hatten und trotz Hautkontakt nach dieser bereits verstrichenen Zeit (ca. 6 Stunden) keine Phänomene auftraten. Die insistierende Unsicherheit bei unserem Sohn und die daraufhin gestartete Recherche hat uns wohl das Leben gerettet (was macht man nur ohne Internet?).
Wir sind erstaunt, dass nirgendwo ein Hinweis zu finden ist, weder in den Törnunterlagen, in der Literatur (z.B. Radspieler, Horn/Hoop etc.), in den Marinas und Häfen und auch nicht auf Deiner Homepage.
Dr. Thomas Boeck
P.S. Der beigefügte Artikel erschien letzte Woche in unserer lokalen Zeitung. Wenn wir den vorher bekommen hätten, hätten wir den Fisch bestimmt identifiziert und es wäre uns viel Aufregung erspart geblieben.