Der Insider

Törnbericht vom 2. bis 23. Oktober
Von Bodrum nach Marmaris über Symi zurück nach Bodrum

Die ganze Familie trifft sich am Samstag, 2. Oktober beim hektischen Einchecken mit endlosen Warteschlangen im Flughafen Kloten: Die Enkel Hannes und Annet, dann Tochter Andrea und Schwiegersohn Marc, Sohn Gregor (Partnerin Bernadette kommt noch zum Abschied an den Flugplatz, aber nicht mit in die Ferien), und schliesslich die Grosseltern Erika und Hansuli, - also 7 Personen! Bei traumhaftem Wetter beginnen wir mit einem wunderschönen Flug über den Bodensee, zunächst mit Kurs ziemlich genau Ost. Hansuli hatte das Gepäck schon am Vorabend eingechecked und konnte für die ganze Familie bereits 3 Fensterplätze sicher stellen.

Der Swissair Direktflug führt nach Izmir. Leider kommt Annets Reisetasche nicht an. Sie tröstet sich aber damit, dass sie nun neue Kleider bekommen werde. Zum guten Glück trifft es nicht Hansuli's Tasche, weil sich dort eine Menge unersetzlicher Utensilien für die Ferien befinden. Die Tafel mit dem Namen unserer Charter-Yacht INSIDER identifiziert unseren vorbestellten Fahrer des Mini-Bus, mit dem es nun die 280 km lange Reise nach Süden anzutreten gilt. Auf dem Weg besuchen wir die eindrucksvolle antike Stadt Ephesus.

Es wird gut 22 Uhr, bis wir im Hafen von Bodrum todmüde an Bord der elektrisch hell beleuchteten INSIDER kommen. Zwar ist der Vercharterer Udo nirgends zu sehen, aber in der Aufenthalts-Kajüte emp-fängt uns ein schriftlicher Willkommensgruss, eine Schale mit herrlichen Früchten, eine weitere Schale mit Gebäck und eine Flasche Wein. Das kann man mit Fug und Recht als freundschaftlichen Empfang bezeichnen ! ! ! Im Eisschrank wurde auch bereits eine Menge Bier kühl gestellt, dem wir uns - weil infolge Klimawechsel völlig ausgetrocknet - mit Hochgenuss zuwenden. Zum Dessert gehen wir doch noch zur Hafen-Promenade; Hannes genehmigt bereits sein erstes Kebap. Dann sinken wir völlig erschöpft in die Kojen: Die Enkel in der vorlichen Kajüte Backbord, Gregor in jener an Steuerbord, Andrea und Marc in der achterlichen Kajüte Backbord, Erika und Hansuli in jener an Steuerbord.

Am Sonntag (3. Okt.) folgt für Gregor und Hansuli die Schiffsübernahme mit allen erdenklichen Erklärungen, für den Rest der Mannschaft Einkauf von Proviant (im Migros, Türkei!!) und Annets Einkleidung. Obschon es Sonntag ist, sind (fast) alle Läden offen, und in der Stadt herrscht reger "Alltagsbetrieb".

Es wird gut vier Uhr bis alles bereit ist. Obschon es 18:30 schon dunkel wird, beschliessen wir, noch auszulaufen und die nächste nahegelegene Bucht anzupeilen. Nach dem Ankern folgt das erste obligate Bad bei einer Wassertemperatur von sage und schreibe 24° (Celsius!). Vor der Dunkelheit hatten wir am Strand noch einige Restaurants ausgemacht. Nun kommt die erste Feuerprobe mit dem Beiboot: Zu Wasser lassen des Schlauchbootes, die Riemen sichern, den Aussenborder an einem Seil runter lassen, - zu unserem Glück, vielleicht, sehen wir in der Dunkelheit nicht, wie randvoll das Schlauchboot mit sieben Personen und dem Aussenborder wird und wie wenig Freibord übrig bleibt ! ! ! Das erste türkische Essen schmeckt aber gut, und danach finden wir dank Masttop-Licht auch unser verankertes Boot wieder.

Zu unserer Strategie gehört, dass wir zuerst in 3 Tages-Etappen gleich zum entferntesten Zielpunkt - Marmaris - segeln und danach in kleinen Schritten gemütlich durch alle Buchten und Stationen zurück kehren. Dies stellt sicher, auch im Fall von plötzlich auftretenden Schwierigkeiten, rechtzeitig zum Ausgangspunkt zurück zu kommen. In Knidos ankern wir am Montag, 4. Oktober erstmals mit einer zusätzlichen Sicherheitsleine an Land um den Schwojkreis zu begrenzen, und essen - nach einem ausgiebigen Bad bei einer Wassertemperatur von rund 25° Celsius - gemütlich an Bord. Am folgenden Tag haben wir leider wenig Wind und müssen wegen der vorgenommenen Distanz viel mit Motor fahren. Dafür gibt es aber reichlich Gelegenheit zum Schwimmen im offenen Meer. Am Abend machen wir am Steg eines 'urigen' Restaurants in der Bozukkale-Bucht fest. Die Wirtsleute sind von unserem Besuch scheinbar derart begeistert, dass sie uns nachträglich noch eine Flasche Wein an Bord überbringen, - als Zeichen ihrer Gastfreundschaft ! ! Wie sich auf der weiteren Reise noch erweisen wird, finden sich die meisten Buchten ohne Spuren der Zivilisation, viele haben vielleicht ein paar einsame Häuschen oder vielleicht eine einzige Gaststätte, und davon haben manche - wie hier in Bozukkale zutreffend! - keine Zufahrt über Land, so dass alles auf dem Seeweg herangeführt werden muss.

Am Mittwoch, 6. Oktober ( es ist Grosselterns 44. Hochzeitstag!) kommen wir bis Marmaris, wo wir nicht in der (in der Regel recht sterilen) Netsel-Marina festmachen, sondern am städtischen Hafenquai mitten in der Stadt, also ganz am lebhaftesten "Puls der Stadt". Zwei Tage zuvor gab es hier nachts ein heftiges Erdbeben mit Zentrum 'unter der Stadt', so dass Leute immer noch vorzogen, vor ihren Häusern auf der Strasse zu übernachten. Für uns sind ausgedehnte Bummel durch die Stadt und durch den Bazar angesagt. So wird es am folgenden Tag, Donnerstag (7. Okt.) wieder reichlich spät, bis wir zum Auslaufen bereit sind. Dennoch entschliessen wir uns für die abseits gelegene Bucht Çaycagiz. Allerdings treffen wir dort erst bei einbrechender bis totaler Dunkelheit ein, was das Ankermanöver, insbesondere die Ankerplatzsuche und das Ausbringen der Sicherheitsleine mit dem Beiboot an Land (unter Beihilfe des Scheinwerfers) erheblich erschwert. Zum Lohn gibt es dann noch ein nächtliches Bad mit Meeresleuchten (Fluoreszenz)!

Der folgende Tag, Freitag (8. Okt.) beginnt wieder mit Bad bei 25° und gemütlichem, ausgedehntem Frühstück im Cockpit, diesmal mit letztmöglicher Diskussion, ob wir doch noch weiter ostwärts segeln wollen, weil es dort sehr schön sein soll. Aber der Rückweg verspricht ebenfalls sehr schön zu sein und bringt mehr Sicherheit mit Bezug auf die Rückgabe des Schiffes, so dass dies zum allgemeinen Beschluss erhoben wird. Draussen vor der Küste trifft uns ein recht steifer Wind, in Böen annähernd in Sturmstärke, so dass wir die Segel tüchtig reffen müssen. Dennoch erreichen wir, gegen den Wind kreuzend, um 17 Uhr die Bucht Serçe Limani. Dort weht allerdings ein beinahe ebenso starker "Fallwind" vom Berg herunter. Ein Gehilfe (oder der Koch?) des Restaurants will uns mit seinem Bötchen zu einer ihrer Bojen lotsen. Wir sind aber im Zweifel, wie sicher die Boje ist, und ausserdem haben wir so viel, zum Teil verderbliche Nahrungsmittel an Bord, dass wir ohnehin auf dem Schiff essen müssen. Allerdings stellen wir für die Nacht den Wecker stündlich ein, um (abwechslungsweise Marc, Gregor und Hansuli) jeweils die ganze Lage zu überprüfen: Windstärke, Windrichtung, Ankerhaltekraft, Peilungen, Tiefenmessung, usw. Gegen den Morgen gibt der Wind etwas nach.

Nun Samstag (9. Okt.) haben wir herrliches Segelwetter, obschon wir anfänglich mit einem langen Schlag gegen einen kräftigen Wind kreuzen müssen. Wir segeln in die weit hineinführende Sömbeki Bucht und laufen zuhinterst das Hafenstädtchen Bozburun an, wo wir schliesslich am Quai sogar längs anlegen können. Am Sonntag (10. Okt.) gehtÍs - nach diversen Bummel und Einkaufsrunden durchs Städtchen - zu einer nahegelegenen Badebucht, denn am Abend wollen wir zum Nachtessen zu Sabrina's Haus, an dessen Steg wir auch über Nacht bleiben. Dies gibt uns am folgenden Morgen (Montag) Gelegenheit zu einer Besichtigung der Behausungen sowie zu einem eingehenden Gespräch mit Tobias, dem deutschen Chef des Hauses. Es wird wieder gut 2 Uhr bis wir ablegen, kommen aber doch bis über die nächste grosse Landzunge hinaus, nach der wir in einer malerischen, ziemlich geschlossenen Bucht Dirsek Bükü frei ankern.

Am nächsten Morgen, Dienstag (11. Okt.) schlägt Erika eine 'Mountain-Expedition' auf den nahegelegenen Berggipfel vor. Gregor und Andrea schliessen sich sofort an, und Annet gelingt es zu überzeugen, das Frühstück dort oben einzunehmen. Sie packen auf, übersetzen mit dem Beiboot zum Strand, und wir 'Zurückgebliebenen' (Marc, Hannes und Hansuli) verfolgen sie mit dem Fernglas beim Aufstieg. Nach ihrer Rückkehr und dem obligaten Bad brechen wir auf und segeln zwischen kleinen Inseln friedlich gegen Nord-Osten. An der Südküste der Datça-Halbinsel segeln wir einige Buchten ab. Alle sind schön, bis wir in der bewaldeten, von uns benannten Drillingsbucht ankern: Kein Haus, keine Strasse, kein Schiff in Sicht, - einmal mehr - keine Menschenseele ! ! Endlos vergnügen sich die Enkel (und auch einige 'Grosse') beim Bad, sich - an der Baum-Nock (achterliches Ende des Baums) festhaltend - ausschwenken und dann ins Wasser plumpsen zu lassen.

Dann nähert sich ein Fischerboot, grosse Diskussion: Die vielen Gräten, der penetrante Geruch, niemand möchte sie 'ausnehmen' und schon gar nicht töten! Doch ohne Worte (die türkische Sprache ist der unsrigen völlig fremd, überhaupt keine Gemeinsamkeiten!), nur mit Händesprache gelingt es uns doch, dass der Fischer die ganze Zubereitung auf seinem Boot übernimmt und uns dann feine Filets übergibt. Auch mit dem Preis sind wir uns sofort einig, obschon wir völlig im Dunkeln sind, egal ob es nun die teuersten oder billigsten Fische unserer ganzen Reise waren. Jedenfalls - und das zählt schliesslich - sie schmeckten vortrefflich!

Übrigens, Gregor und Marc kochen oft und offensichtlich gern. Wenn dann Andrea und Erika auch noch bestimmte Zubereitungen übernehmen (z.B. Salat oder Gemüse rüsten), dann bleibt verständlicherweise für Hansuli mit bestem Willen kein Platz mehr in der Kombüse. So widmet er sich eben - nebst dem Auftischen - mit Vorliebe dem Entkorken der obligaten Weinflasche. Und nach dem so gemütlichen Essen im Cockpit folgt dann das Abwaschen, meistens mit Erika zusammen, obschon es eigentlich das Ämtli der Enkel wäre!

Ab folgendem Tag, Mittwoch (13. Okt.), planen wir - ohne genaue Vorstellung, wo wir abends ankern werden -, Richtung Westen, also gegen die vorherrschenden Winde zu segeln, weil wir doch die ganze, langgezogene Halbinsel Datça umrunden müssen. Doch am Nachmittag lässt uns der Wind völlig im Stich, so dass wir kurzerhand beschliessen, die griechische Insel Simi anzulaufen. Dies erweist sich - allen Abratungen und zu erwartenden administrativen Hindernissen (Einklariegungskosten, Liegegebühren, Zeitaufwand) - als eine der besten Entscheidungen unserer Reise, denn nun erkennen wir den grossen Unterschied: Drüben (Türkei) mehr einsame Buchten, karge Landschaft, wenig attraktive Häfen und Fischerstädtchen, extrem dünn besiedelt, -hier malerisches Städtchen mit emsigem Hafenbetrieb, schneeweisse griechische Kapellen mit dem runden Dach usw. Nach ausgedehnten Erkundungen lädt Hansuli die ganze Gesellschaft zu einem feinen Nachtessen am Hafenquai ein.

Nach Simi machen wir nicht so viel Fortschritte gegen West. Wir verbringen nochmals eine Nacht am Anker in einer Bucht Kargi Koju und gelangen am nachfolgenden Tag (Freitag. 15. Okt.) nach Palamut. Dieser Hafen ist wieder ganz anders als die bisherigen. Es gibt eigentlich nur eine 'Strandbebauung', also längs des (Kies-)Strandes und des Hafens. Das Hinterland hinter der einzigen Häuserreihe ist Brachland, ungenutzt. Wir machen Bekanntschaft mit einer sehr gut englisch sprechenden jungen Türkin von der benachbarten Gulet, eines von den vielen grösseren Holzschffen typisch traditionell-türkischer Bauart. Die Türkin kann uns auch das beste Restaurants (von denen es etwa 4 gibt) empfehlen.

Mit einem Zwischenhalt in der einsamen Echobucht gelangen wir am Samstag (16. Okt.) zum zweiten mal nach Knidos, dem äussersten Schutzhafen der langen, schmalen Halbinsel Datça, wo wir die beeindruckenden Ruinen aus der antiken griechischen Zeit besuchen, allem voran das nach rund 2.500 Jahren noch gut erhaltene Amphitheater.

Am nächsten Tag, Sonntag (17. Okt.) wollen wir eine lange Strecke bis weit in die Gökova-Bucht hinein zurücklegen, also an der Nordseite der Datça-Halbinsel wieder nach Osten segeln. Daher beschliessen wir, morgens schon um 4 Uhr, noch in völliger Dunkelheit auszulaufen. Für die Enkel, die eifrig mit machen, ist diese nächtliche Fahrt recht aufregend. Nach dem Auslaufen sichten wir in Süd-Osten in noch grosser Entfernung die Mastlichter eines Schiffes. Aufmerksam verfolgen wir die relative Bewegung und stellen 'stehende Peilung' fest, d.h. die Lichter bleiben unverrückbar im gleichen Winkel zu unserem Kurs. Somit führen unsere Kurse zwangsläufig im gleichen Zeitpunkt zum gleichen Punkt: - Kollisionskurs! ! Da wir uns zwischen seinem Kurs und dem Land befinden, bleibt uns wenig Raum für grundsätzliche Kursänderungen. So legen wir unseren Scheinwerfer bereit, um gegebenenfalls besser auf uns aufmerksam machen zu können und mobilisieren unsere volle Aufmerksamkeit, um im äussersten Fall sofort das sogenannte 'Manöver des letzten Augenblickes' einleiten zu können. Bis zum Kap, welches wir umrunden müssen, bleibt die Spannung. Das Schiff, eindeutig eine Insel-Fähre, umrundet mit uns und parallel zu uns das Kap, natürlich mit erheblich höherer Geschwindigkeit.

Der Morgen macht sich allmählich breit und bald danach auch ein hartnäckiger Regen. Es sollte während unserer ganzen Reise der einzige Regentag bleiben! Wir sind jedoch mit Ölzeug und Südwester ausgerüstet, sodass ein Regen auf dem Meer zur Abwechslung auch wieder seinen besonderen Reiz hat. Aber gegen Mittag hören wir grollenden Donner und beobachten Blitze. Wir haben schon rechtzeitig gerefft, d.h. unsere Segelfläche angemessen reduziert. Doch plötzlich überrollt uns ein heftiger Gewittersturm mit einzelnen Windspitzen bis zu Beaufort 8. Selbst die Windrichtung ändert plötzlich wie verrückt und zwingt uns eine Wende auf. Wie wir die stark gereffte Genua wieder dicht holen, entdecken wir, dass sie etwa 15 cm innerhalb des Achterlieks über eine Länge von etwa 5 Meter gerissen ist. Sofort wird die Genua noch ganz eingerollt und der Motor angeworfen.

Nun macht sich unser Funktelefon ernsthaft bezahlt. Udo, der Eigner wird angerufen: Weiter segeln . . ., Schadensbegrenzung . . ., nur noch motoren . . ., Ersatz-Genua (die an sich vorhanden ist, aber wegen einer Ergänzung noch beim Segelmacher in Bodrum liegt) . ., unser nächster Wunschhafen . . ., Zugänglichkeit per Auto auf dem Landweg . . ., all dies wird kurz abgesprochen, mit dem Ergebnis, dass wir unsere geplante Zielbucht Degirmen Bükü in rund 10 Seemeilen Entfernung unter Motor, gegen den Starkwind, anlaufen sollen. Dort geniessen wir - nach diesem ereignisreichen Tag - unser wohl verdientes Nachtessen im Restaurant "Captains Place". Am nächsten Morgen, Montag (18. Okt.) - noch während wir frühstücken
, rückt Udo mit dem neuen Segel an ! !

In der nächsten schönen Bucht Tuzla Koyu legen wir einen Ruhetag ein und bleiben zwei Nächte: Lesen, schwimmen, essen, diskutieren, 'nuckerlen' und wieder schwimmen sind angesagt. Danach, Mittwoch (20. Okt.) segeln wir mit peinlich genauer Navigation durch eine Vielzahl kleiner Inseln und Untiefen in eine ganz einsame Bucht Sakli Limani, wo wir wiederum ganz alleine und ohne jede Spur von Zivilisation sind. Übrigens macht sich Hannes (11) stark mit der Navigation, insbesondere mit dem GPS vertraut. Das Schiff verfügt sogar über einen Plotter, mit dessen Hilfe der Standort direkt in die Seekarte eingetragen werden kann. Sogar Annet (9) will wissen wie der GPS-Plotter tut!

Wir schreiben bereits Donnerstag (21. Okt.) und müssen Bodrum gut näher kommen. Es macht sich auch eine gewisse 'Ende-Ferien-Stimmung' breit. Es folgt wieder eine grössere Etappe von rund 25 Seemeilen nach Orak Adasi. Bei dieser Insel wird vor den Ratten gewarnt. Aufgrund unserer unliebsamen Erfahrungen vom letzten Familientörn im Ionischen Meer, nehmen wir diese Warnung ernst und montieren aufgeschlitzte Cola-Flaschen an die Leinen, die unser Schiff am Land sichern. Für Ratten sind dies unüberwindbare Hindernisse, sagt man.

Gregor stellt eine Sprechfunkverbindung mit einer ebenfalls vor Anker liegenden Yacht her, um die Wettervorhersage durchzugeben. Jener Skipper, der vorher schwimmend bei uns vorbei kam, war besorgt. In der Tat war von einer Sturmwarnung die Rede, doch bezieht sich diese auf die Adria und das Thyrrenische Meer. Übrigens hat Gregor jeden Tag pflichtbewusst den Wecker auf 18:50 Uhr gestellt, um den Radio-Wetterbericht nicht zu verfehlen. Zudem verfügen wir über einen Wetter-Fax, der täglich morgens und abends einen Wetterbericht übermittelt. Überhaupt hat Gregor kompetent die Skipper-Pflichten wahrgenommen, Andrea die Logbuch-Eintragungen und mit Marc zusammen während der zweiten Hälfte der Reise verantwortlich auch die Navigation, während Hansuli als Charterer des Schiffes sich diesmal nahezu mit der 'Befindlichkeit' eines Reeders im Hintergrund hielt.

Zum letzten Seetag, Freitag (22. Okt.), haben uns einige Delphine noch ein spärliches, allzu kurzes Schauspiel vorgeführt, als wollten sie uns doch nicht entlassen, ohne sich noch zu zeigen. Kurz vor den Toren Bodrums wird (auf Empfehlung Udo's) noch das groß Gulet-Werftgelände aufgesucht, wirklich in jeder Beziehung eindrucksvoll. Beim Einlaufen in den Hafen Bodrum melden wir Udo per Funktelefon unsere Rückkehr, tanken Diesel (104 Liter für die ganzen Ferien!) und lassen uns durch ein Schlauchboot der Marina in den Hafenplatz einweisen, ähnlich einem Flugzeug, das vom Pistenfahrzeug "Follow me" angedockt wird. Es reicht noch zu einem Besuch der sehenswürdigen Johanniter-Burg inmitten von Bodrum. Dann folgt das Packen, äusserst freundschaftliche Rückgabe-Gespräche mit Udo und schliesslich das obligate 'Abschlussessen' des letzten Tages im empfohlenen, türkischen Restaurant Sünger, der Marina gegenüber.

Samstag (23. Okt.) steht im Zeichen des Rückfluges. Doch zuerst muss die umgekehrte Landreise, wie vor drei Wochen, wieder mit dem Minibus, zum Flugplatz Izmir, absolviert werden. Die Anflugroute in die Schweiz führt sinnigerweise wieder genau über den Bodensee nach Kloten, wo uns Bernadett wieder empfängt.

Es war ein gelungener Segeltörn mit einem sehr schönen Schiff in einer herrlichen Landschaft.