Der Insider


Insider-Törntipp: Bodrum-Güllük
Ein typischer Familientörn mit Kindern  
Vorausgesetzt man lässt sich Zeit und will nicht in drei Tagen den gesamten Golf von Güllük aussegeln.


Nachdem wir uns über die Wettersituation Klarheit verschafft haben (es darf kein Südostwind im Anmarsch sein, weil alle Buchten der ersten beiden Tage nach Südosten offen sind!), segeln wir an der Südküste der Bodrum-Halbinsel Richtung West auf Kos zu. Achtung: Untiefe vor dem Bodrumer Hafen (markiert durchIassos eine Bake: nur südlich daran vorbei!).

Wenn wir erst am Nachmittag aus Bodrum raus kommen, ist der erste brauchbare Ankerplatz Bitez. Hier kann man frei auf 6 Metern ankern. Genügend Kette stecken - der Grund ist krautig und hält nicht besonders gut. Auf den Schwojkreis achten. Der Steg im Süden der Bucht ist meist von einheimischen Yachten belegt. Am Ufer gibt es zahlreiche Restaurants zur freien Wahl.

Auf dem Kurs nach Westen zum Eck der Halbinsel ist der nächste Ankerplatz Aspat Koyu. Achtung vor dem flachen Steinriff südöstlich vor der Bucht. Auch in Aspat ankert man frei auf 6 - 8 Metern. Nicht am Holzsteg anlegen, der für Ausflugsboote vorbehalten ist. Landgang mit dem Dingi. Zahlreiche Restaurants. Empfehlenswert Mahmut'un Yeri, Spezialität Çibörek.

Bei beiden Plätzen muss das Wetter auf "Nord" stehen. Bei südlichen Winden, insbesondere beim gefürchteten Frühjahrs- oder Herbst-Lodos (Südost) sind Bitez und Aspat Koyu gefährlich!

Von Aspat motort man am besten durch die Passage zwischen Küste und Leuchtfeuerinsel Kargi Adasi hindurch und weiter bis zur Untiefe Pasa Kayseri querab vom Leuchtturm Hüseyin Burun. Achtung: Nicht zwischen Küste und Untiefe durchfahren, auch wenn einheimische Gulets dies tun! Es ist flach und man muss sich gut auskennen.

Nach dem Segelsetzen kreuzen wir nach Norden, achten aber streng darauf nicht über die Linie Tüllüce Adasi - Çatalada nach West zu gelangen: dort gibt es jede Menge Unterwasserriffe! Wenn der Tag noch lang ist, könnt ihr zu einem Zwischenstop vor dem Isthmus (dem flachen Strandstück zwischen den beiden Kuppen) der Çatalada (= Insel) ankern. Nicht zu nah am Strand auf 7 - 8 Metern. Sehr schöner Schwimmplatz! Bei ruhigem Wetter bleib ich da auch schon mal über Nacht. Während des Tages kommen Ausflugsboote von Turgutreis mit lärmenden Badegästen herüber. In der Nacht ist es aber einsam und still. Nur die Lichter an der Küste leuchten wie aufgereihte Perlen auf einer Schnur.

Gegenüber der Insel liegt direkt beim Ort Turgurtreis die neue D-Marina mit allen Annehmlichkeiten für einen Yachtie. Wir können dort einlaufen und an einem der funkelnagelneuen Schwimmstege festmachen. Mehr über die D-Marina klick

Am Spätnachmittag geht es weiter Richtung Gümüslük, meinem Lieblingsankerplatz. Der kleine Ort liegt etwa in der Mitte der Westseite der Bodrum Halbinsel. Die Ansteuerung erfolgt über den deutlich sichtbaren Mast mit der großen türkischen Flagge (bei Starkwind eingeholt) auf der vorgelagerten Halbinsel. Achtung: Südlich der Einfahrt liegt vor Kap Karabakla Burun eine Klippenbank. Beim Einsteuern ist darauf zu achten, dass wir nicht auf die antike Mole auflaufen, die sich von der "Flaggen-Halbinsel" unter Wasser bis in die Mitte der Einfahrt zieht. Also weit rechts nahe der kleinen Insel halten und langsam einlaufen.

Wir motoren in den tieferen Teil der Bucht und ankeren auf etwa 12 Metern links von der kleinen Moschee. Achtung: eine flache Stelle springt vor der Moschee in das erste Drittel der Bucht hinein. Auf Drehkreis achten; ggf. noch weiter in der Bucht hineinfahren und dort ankern. Der Grund ist tief und hält nicht besonders gut. Vor allem bei Sonnenuntergang, wenn oft harte Böen aus Nordost vom Land über die kleine Bucht herunterfallen, ist Aufmerksamkeit geboten! Beim Landgang unbedingt Ankerlicht setzen. Bei harten Wind Ankerwache an Bord lassen!!

Gümüslük ist ein sehr sympathischer kleiner Ort mit zahlreichen sehr guten Fischrestaurants am Ufer. Mein Tipp: das Fenerci-Restaurant an der schmalen Landzunge zur "Kanincheninsel" (Tavsanadasi), die Insel mit den antiken Mauerresten in der Hafeneinfahrt). Man sitzt direkt am Wasser auf Holzstühlen. Der Platz zum Bleiben und Entspannen schlechthin. Hier bekommen wir den besten Fisch im Umkreis von 100 km (gedünstet, gebraten oder gegrillt) und die köstlichsten Vorspeisen der türkischen Küche. Wir probieren Oktoput-Salat (Tintenfisch-Salat) und die grünen, aufgeschlagenen, mit kekik (Oregano) bestreuten zeytin (Oliven), und werden immer wieder kommen. Der Koch stammt aus Samsun am Schwarzen Meer. Er bereichert die Fenerci-Küche um Schwarzmeer-Spezialitäten wie z.B. aufgespießte hamsi (kleine Sardinen) mit gefüllten Oliven.

Mutige Zeitgenossen krempeln die Hosen bis zum Knie hoch und waten durch das flache Wasser zur Kanincheninsel. Watet selbst oder schaut zu; das ist keyif, die türkische Art der Meditation. Wenn die Sonne untergeht, verändern sich die Farben des Meeres und des Himmels von Augenblick zu Augenblick. Ferhan, eine Cousine von Ayse, hat hier an einem leuchtenden Märzabend die untergehende Sonne besungen. Beim Bummel durch den lichterfunkelnden Ort werdet ihr feststellen: keine lärmende Musik, keine lautes Wort, überall gelassene Fröhlichkeit an den vollen Tischen der rustikalen Fisch-Restaurants: keyif eben.

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Norden. Wir kreuzen zwischen den Inseln und dem Festland hin und her und achten darauf, dass wir nicht zu weit westlich kommen. Dort liegen die beiden vor Jahren umstrittenen Felsbrocken Kardak Adalari; ein griechische Patrouillenboot fuhr dort "Streife". Inzwischen hat sich das politische Klima zwichen den beiden Ländern erheblich entspannt. Die Insel Küçükkiremit müssen wir östlich liegen lassen. Nicht durch die Passage zwischen ihr und dem Festland segeln! Danach öffnet sich die Bucht von Yalikavak. Wir halten entwedeer auf die Nordküste dieser großen, weiten Bucht zu und laufen den Ankerplatz Bahçe West an. Oder die neue Marina Port Bodrum Yalikavak. In Bahe west ankern wir in der Mitte der Bucht auf 10 Metern mit sehr viel Kette. Der Grund ist bewachsen, der Anker hält schlecht. Ggf. Manöver so lange wiederholen und den Anker so lange einfahren, bis er hält! Der Platz ist gut geschützt gegen nördliche Winde, schlecht dagegen bei südlichem Lodos. Kein Restaurant, nur ein ausgetrockneter Brunnen am Ufer. Hier muss der Bordkoch (die Köchin) ran.

Der kleine Ort Yalikavak ist reizvoll, hat auch einen kleinen Miniaturhafen, der meist von Fischern und Gulets belegt ist. Für Yachten Metern ist die Port Yalikavak Marina besser geeignet. Wer tiefer in die Bucht hineinsegeln will kann im Nordosten vor der Werft noch einen brauchbaren Ankerplatz (gegen nördliche Winde) finden.

Um die NW-Ecke der Halbinsel liegen die nächsten Ankerplätze Gündogan und Türkbükü. Zunächst achtet man auf den kleinen Felsbrocken Gemitas, der wie ein U-Boot mitten aus dem Wasser auftaucht. Danach halten wir Abstand von der Küste (Riffe!) und steuern südlich der Insel Tavsan in die nach Nord offene Bucht von Gündogan ein. Bei Meltemi ankert im Westteil hinter dem Vorsprung. Bei ruhigem Wetter oder starkem Südwind können wir auch vor oder westlich der Hafenmole frei ankern und mit dem Dingi an Land kommen. Läden, Minimarkt und Restaurants sind vorhanden.

Türkbükü ist ein in Mode gekommener kleiner Fischerort: die Istanbuler Schickeria hat ihn entdeckt und hier die Preise (und manchmal auch die Sitten) verdorben. Die Holzstege mit den Badeplattformen sind leider nicht zum Anlegen da, auch wenn vor mancher eine Gulet oder Motoryacht festgemacht hat. Beim Ankern in gehörigem Abstand von den Schwimmmarkierungen, achten wir auf den Drehkreis zu anderen Booten. Viel Kette geben - der Grund ist tief und hält nicht überall gut.

Ein weiterer hübscher Platz weiter hinten im Golf ist Torba. Der kleine geschützte Hafen ist für größere Yachten zu flach und zu eng. Man ankert vor der Hafenmole mit einer langen Leine zu dieser. So kommt man leicht von Bord (Dingi an der Leine). Zahlreiche Restaurants. Der Platz ist sowohl bei Südwinden als auch bei Nordwinden sicher. Nur bei Nordost sollte man ihn verlassen.

Weitere Ankerplätze auf der Strecke bis Güllük (Kuyacak, Salih Adasi, Üleblibük) entnehmen wir den Handbüchern, zum Beispiel den neuen Radspieler, den ich im Sommer 2007 überarbeitet habe. Achtung vor den Fischzuchtanlagen und ihren Netzen.

Stehen größere Einkäufe an oder muss Wasser gebunkert werden, läuft man bei ruhigem Wettr Güllük an. Der Erzverladehafen ist erkennbar an der langen Pier, an der meist große Erzfrachter liegen. Der Platz ist bei Meltemi ungeeignet oder bei starkem Westwind Schwell ausgesetzt. Man ankert im kleinen Hafen und macht (wenn möglich) an dem Betonsteg von Lale-Yachting fest. Es werden Liegegebühren erhoben. Jede Menge guter Restaurants im Ort und viele Geschäfte. Fisch am Hafenbecken östlich der Pier bei der Fischerkooperative.

Wenn die Tagesbrise zu heftig ist, laufen wir besser das nur 3 sm gegenüberliegende Iassos (Asin Limani) an. Iassos ist ein antiker griechischer Ort und lohnt schon deshalb einen Besuch. Antikes Theater, Säulen, Gräber usw. Achtung bei der Ansteuerung: die antike Mole kommt (wie in Gümüslük) von links ein Stück in die Hafeneinfahrt. Also rechts halten, näher am verfallenen venezianischen Wachtturm.

Im Hafen gibt es einen Betonanleger. Mit Buganker und Heckleine in einer Lücke festmachen (Liegegebühren!). Ansonsten frei ankern. Wasser auf der Pier. Kleine Läden, zwei passable Restaurants. Eine Besteigung des Hügels zur seldschukischen Festungsmauer lohnt schon wegen des Ausblicks. Wer mehr Einkaufen will, bleibt in Iassos für die Nacht und motort ganz früh bevor die Tagesbrise einsetzt nach Güllük, macht dort fest, kauft ein und verlässt den Ort wieder gegen 11 Uhr, bevor der Wind heftiger weht und das Liegen ungemütlich macht.

Weitere Ankerplätze wie Göklimani, Kazikli W-Bucht, Kazikli Iskele, Alagün etc. siehe den neuen Radspieler. Leider ist ein Teil dieser Plätze durch grünes Wasser versaut, verursacht durch die zahlreichen Fischzuchtanlagen und die dadurch hervorgerufene Überdüngung durch Fischkot.

Ein Höhepunkt des Güllük-Golfes ist der Besuch von Didyma, das antike Orakel- und Apollon-Heiligtum. Wir halten auf die dicht bebaute, weithin sichtbare Hotelskyline von Karakuyu Koyu zu (auch Altinkum). Kommen wir von Süden haltet auf den Strand zu, lassen wir die Toprak Ada und Panayir Ada rechts liegen. Kommen wir von Güllük bzw. einer der Buchten, halten wir gut von der Küste nordwestlich von Kapali Burun frei, da hier jede Menge gefährlicher Untiefen und Riffe liegen.

Bei der Annäherung an die weite und offene Bucht achten wir auf die antike Mole unter Wasser. Sie zieht sich ca 200 Meter vom kleinen Beton-Anleger in östlicher Richtung. Vorsicht: Die versunkenen Molensteine liegen unter Wasser und sind kaum zu sehen. Man ankert mit gutem Abstand vor den Schwimmleinen auf 6 Metern. Viel Kette stecken. Auf Drehkreis zu anderen Yachten achten. Wenn es stark weht: Ankerwache an Bord lassen. Zum Tempelbezirk fährt man mit Taxi oder Minibus (ca 5 km). Zahlreiche touristische Restaurants an der Straße hinter dem "Goldsand-Strand". (Alt ist Gold, kum ist Sand, Altinkum wörtlich Goldsand).

Bei starken Südwestwinden ist das Ankern vor Altinkum abenteuerlich bis gefährlich! Man verholt dann lieber "um's Eck" nach Nordost in den Akbük Limani zur Kuruerik Bükü. Achtung vor den Flachstellen bei Gökada. Weitere Ankerhilfen siehe Handbücher.

Von Altinkum segeln wir mit "Rückenwind" in einem Tag nach Bodrum zurück, vorausgesetzt es weht westlich oder nordwestlich bis nördlich. Bei Südwind bzw. Südost muss man ggf. zwei Tage gegenankreuzen. Also die Törnplanung nach dem Wetterbericht machen. Und nicht am vorletzten Tag in Didyma eintreffen. Flugzeuge warten nicht.

PS. Im Frühjahr und Herbst sind die Wetterbedingungen an der Küste unter Umständen anders. Die hier dargestellte Route muss dann ggf. abweichend gestaltet werden, da bei Süd- bzw. Südostwind die beschriebenen Buchten keinen oder nur schlechten Schutz bieten. Mehr zum Wetter: klick