Der Insider
  Happy New Year: Knallbonbon mit Preiserhöhungen
03.01.2013

Die Lebenshaltungskosten in der Türkei gleichen sich immer mehr den Preisen in europäischen Ländern an. So gesehen gehört die Türkei jetzt schon zu Europa.

Ab 1.1.2014 stiegen die Preise nicht nur für Genussmittel wie Bier, Wein, Raki und Tabak. Alkoholische Getränke verteuern sich von 10 auf 15 Prozent. Auch Benzin und Diesel werden teuerer. In der Türkei - ohnehin das teuereste Spritland der Welt - zahlt man jetzt über 5 TL für einen Liter 97 Oktan Benzin und für Diesel um die 4,55 TL - ein Rekord. Davon sind auch alle Bootsfahrer betroffen.

Wer in Euro rechnet kommt bei Zigaretten noch einigermaßen gut weg. Eine Schachtel Marlboro kostet jetzt im Schnitt TL 9,50 statt bisher TL 9. Dagegen sind die Benzin- und Dieselpreise deutlich höher als in Deutschland. Die Konsumsteuer für PKW's unter 1600 ccm von 40 auf 45 Prozent, für Fahrzeuge zwischen 1.600 ccm und 2.000 ccm von bisher 80 auf 90% angehoben. Besitzer von Autos über 2000 ccm zahlen statt 130 ab jetzt 145 Prozent

Diejenigen, die schneller als erlaubt ist mit dem Auto unterwegs sind, müssen 356 Lira zahlen. Das Fahren bei Rot kostet ab jetzt 172 statt bisher 166 Lira. Wer sich alkoholisiert ans Steuer setzt zahlt TL 727, wenn er erwischt wird; Wiederholungstäter sogar TL 911.

Für die türkischen Verbraucher wurde das Leben bereits im letzten Monat des Jahres teuerer. Nach den aktuellen Zahlen der ITO (Handelskammer Istanbul), stiegen die Einzelhandelspreise in Istanbul um wenig unter 8% gegenüber dem gleichen Zeitraum 2012, und die Großhandelspreise stiegen um wenig unter 6%.

Da die Türken fast alles mit Kreditkarte bezahlen und dabei oft kräftig überziehen, hat die türkische Bankenaufsicht vorgeschlagen die Verwendung von Kreditkarten einzudämmen. Damit soll die inländische Sparquote erhöht werden, um die Abhängigkeit von ausländischem Kapital zur Konsumfinanzierung einzudämmen.

Hintergrund:
Die türkische Währung hat durch die politischen Krisen dramatisch an Wert verloren. Internationale Investoren sind verunsichert und befürchten einen Kollaps der türkischen Wirtschaft. Für einen Euro mussten am 27.12. erstmals über 3 TL
bezahlt werden. Die Zentralbank kämpft zur Zeit intensiv um eine Stabilisierung der Währung, die 2013 gegenüber dem Dollar 17% an Wert verloren hat.


Eine der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes ist die Baubranche. Bei den zur Zeit laufenden Ermittlungen kommen immer mehr Bauunternehmen ins Visier. Die meisten Immobilien sind bis zum Dach mit Hypotheken belastet. Analysten warnen vor einem Platzen der Immobilienblase, die vor allem durch Kredite finanziert ist. Hinzu kommt das hohe Leistungsbilanzdefizit von jährlich über 60 Milliarden Euro, rund 10% des türkischen Bruttosozialprodukts. Der Index an der Istanbuler Börse ist in einer Woche um 14% gefallen.


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